Tribal Art
Aufklärung mit alten Klischees

In Wien wird die Stammeskunst-Sammlung des Bankers Herbert Stepic gezeigt. Doch die Ausstellung ist lieblos gestaltet und bedient alte Klischees.
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WienWährend afrikanische Stammeskunst auf dem internationalen Kunstmarkt Spitzenpreise erzielt, fristet sie in Wien ein Schattendasein. Mitschuld trägt wohl das seit Jahren wegen Sanierungsarbeiten geschlossene Museum für Völkerkunde.

„Die afrikanische Kunst ist in Österreich weitgehend unbekannt“, konstatiert auch Herbert Stepic, Vorstandsvorsitzender der Raiffeisen Bank International. Der Banker ist selber seit mehr als 30 Jahren Sammler und mit 200 Objekten seiner Kollektion zurzeit im Bank Austria Kunstforum präsent.

Die meisten der vorwiegend aus Kamerun und Nigeria stammenden Objekte besitzen rituellen Hintergrund. „Sie werden etwa eingesetzt, um die Götter positiv zu stimmen, oder für Fruchtbarkeitsrituale – oder auch in Zusammenhang mit dem Begräbnis eines angesehenen Stammesmitglieds“, erläutert Stepic. „Da gibt es Objekte, die einmal verwendet werden und dann nie wieder.“

Maßnahmen gegen Fälschungen

Zwar ist der Großteil der Exponate modernen Ursprungs; allerdings besitzt Stepic auch zahlreiche Werke älteren Datums. Manche, vorwiegend jene aus dem nigerianischen Dorf Nok, entstanden vor 2.500 Jahren. Da bekanntlich gerade im Bereich afrikanischer Stammeskunst zahlreiche Fälschungen im Umlauf sind, trifft der Sammler Vorsichtsmaßnahmen.

Herbert Stepic kauft nur Objekte, deren Alter und Authentizität mittels Thermolumineszenz-Verfahren bestätigt wurden. Außerdem achtet er darauf, dass er seine Ankäufe heute überwiegend bei Händlern tätigt, die er seit langem kennt: „Von denen weiß ich, dass sie ‚am Ursprung’ kaufen und die Werke dokumentieren.“ Von den meisten Stücken kennt der Sammler deshalb Fotos aus ihrem ursprünglichen Kontext. „Damit habe ich ein Höchstmaß an Sicherheit, dass es sich um Originale handelt.“ Am Anfang seiner Sammeltätigkeit könne es jedoch „durchaus passiert sein, dass die eine oder andere Fälschung dabei war“, räumt Stepic ein. Schließlich kaufe er nicht, um Profit daraus zu schlagen.

Ein Film im Geist des Kolonialismus

Zu den schönsten Exponaten gehören Glockenfigurenpaare mit grotesken Männchen, Tiermasken von außergewöhnlicher Eleganz und Schlichtheit oder die bestechenden Nok-Köpfe. In ihrer Ornamentalität und archaischen Ausstrahlung könnten sie einigen Eindruck hinterlassen. Doch die Präsentation der Werke, die durch Goldobjekte aus einer anderen Privatsammlung ergänzt werden, hat wenig Wert auf Ästhetik gelegt: Die zarten Nok-Köpfe schauen aus hässlichen Vitrinen, Figurenpaare reihen sich hinter verspiegelten Glaswänden auf.

Hinzu kommt, dass mit den begleitenden Dokumentationsmedien überkommene Klischeevorstellungen bedient werden. Ein Film über Rituale und Alltag in afrikanischen Dörfern von 1952/53 atmet noch ganz den Geist des Kolonialismus, nicht viel anders als die Fotografien aus der Kalenderreihe „africa incognita“. Eine derart altbackene, sogar problematische Darbietung hat die Stammeskunst nicht verdient.

„Afrika. Afrique. Africa. Die Sammlung Stepic“, Bank Austria Kunstforum, Wien, bis 1. Oktober. Der Katalog kostet 29,90 Euro.

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