Tribal Art
Einlieferer trennen sich von Spitzenstücken

Die Pariser Auktionshäuser haben im ersten Halbjahr 2015 mit Stammeskunst rund 23 Millionen Euro umgesetzt. Die höchsten Einnahmen verbuchen Christie's und Sotheby's mit einem gegenüber dem Vorjahr noch einmal verbesserten Angebot.
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ParisDie Atmosphäre in der dichten Menschenmenge im Auktionssaal von Christie's am 22. Juni 2015 war stark aufgeheizt. Mehrere hochkarätige Lose mit Stammeskunst standen zur Auktion. Auch bei Sotheby's kamen am folgenden Tag außergewöhnliche Objekte zum Aufruf, die Spitzenpreise erzielten. Dennoch hatte Christie's am Ende das bessere Gesamtergebnis von 11,6 Millionen Euro für 78 zugeschlagene Lose. Sotheby's folgte in dichtem Abstand mit 11,1 Millionen Euro für 68 Lose.

Vorangegangen waren im Mai und Juni die Versteigerungen Pariser Auktionatoren in den Sälen des Hôtel Drouot und bei Artcurial-Briest-Poulain-F.Tajan. Sie setzten Tribal Art für etwa 330.000 Euro um. Insgesamt wurden im ersten Halbjahr in Paris für dieses Segment also rund 23 Millionen Euro eingenommen.

Urteil einer Top-Händlerin

Herausragend war bei Christie's eine Ahnenreliquie des afrikanischen Volkes Kota (Gabun), die mit der Bezeichnung „Kota von William Rubin“, einem Extrakatalog und der Schätzung von 6 bis 9 Millionen Euro an den Start ging. Die Erben des New Yorker Kurators des Museum of Modern Art, William Rubin, wurden allerdings enttäuscht. Denn trotz intensiver Gebote blieb es bei einem Ergebnis von 5,5 Millionen Euro. Den Zuschlag erhielt ein Telefonbieter. Unterbieter waren die Tophändlerin Hélène Leloup, zwei weitere Telefonbieter und der Sammler Thomas Langmann, ein Newcomer auf diesem Sammelgebiet. Er ist Filmproduzent und Sohn des verstorbenen Filmemachers, Sammlers und Kunstförderers Claude Berri.

„Eine sehr schöne Kota-Skulptur, aber viel zu teuer“, kommentierte Madame Leloup im Nachhinein. Dagegen meinte ein Brüsseler Händler, man hätte „keinen William Rubin am Kamin stehen, sondern einen Kota, der vielleicht 300.000 Euro wert ist“.

Millionengewinn mit einer Maske

Provenienz am Stammeskunstmarkt ist und bleibt ein Kriterium für Qualität und Authentizität. Deshalb kommen nun neun Jahre nach der Rekord-Versteigerung der Sammlung Vérité, die die 44,1 Millionen Euro erbrachte, damals ersteigerte Objekte wieder auf den Markt. Das höchstdotierte Los bei Sotheby's, eine doppelte Baoulé-Maske (Elfenbeinküste) brachte ihrem Verkäufer den satten Mehrwert von 4,2 Millionen Euro. 2006 hatte er sie für 1.2 Millionen Euro erworben. Nun bewertete sie ein französisch sprechender Telefonbieter mit 5,4 Millionen Euro.

Bei Christie’s machte der Verkäufer einer Grebo/Krou-Maske (Elfenbeinküste) ein gutes Geschäft. Sie war einem Telefonbieter 1,3 Millionen Euro wert. Vor neun Jahren hatte ihn die Maske 714.800 Euro gekostet.

Die Preissteigerung klappt nicht immer wie das Beispiel einer großen Schultermaske zeigte. Ersteigert wurde sie für 2,4 Millionen Euro von demselben Telefonbieter, der auch den Zuschlag für die Kota-Skulptur erhalten hatte. 2006 hatte das eindrucksvoll geschnitzte Stück nur 145.464 Euro weniger gekostet.

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