„Trimm Dich“ war Initialzündung für Breitensport

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„Trimm Dich“ war Initialzündung für Breitensport

Weder Aerobic-Königin Jane Fonda noch Yoga-Madonna haben für den Breitensport so viel getan wie Trimmi, das Zeichentrick-Männchen. „Die Trimm-Dich-Aktion hat den Breitensport bei uns hoffähig gemacht“, sagt die Berliner Journalistin Verena Mörath.

dpa BERLIN. Weder Aerobic-Königin Jane Fonda noch Yoga-Madonna haben für den Breitensport so viel getan wie Trimmi, das Zeichentrick-Männchen. „Die Trimm-Dich-Aktion hat den Breitensport bei uns hoffähig gemacht“, sagt die Berliner Journalistin Verena Mörath.

„Nach den ersten beiden Kampagnen lag der Bekanntheitsgrad 1975 bei stolzen 93 Prozent - das ist bis heute einmalig.“ Mit Blick auf das neue Präventionsgesetz der Bundesregierung hat Mörath die Wirkungen der Trimm-Aktionen im Auftrag des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung (WZB) untersucht. Dort erscheint ihre Studie in der kommenden Woche.

„Dem Deutschen Sportbund ist es mit nur 218 000 Mark Startkapital gelungen, eine Kampagne die Beine zu stellen, die zeigte, dass Sport nicht nur Sache der jungen, leistungsstarken Wettkämpfer ist, sondern dass jeder - vom Baby bis zum Rentner - Bewegung braucht“, sagte Mörath. „Damit war der Nerv der Zeit getroffen.“ Die erste Trimm- Dich-Kampagne gab es 1970. Zahlreiche der in den 70er Jahren initiierten, niedrig schwelligen Angebote wie Spielfeste oder Lauftreffs gebe es bis heute.

Beredtes Beispiel: „Ein Schlauer trimmt die Ausdauer“. Vor rund 30 Jahren fiel in der zweiten Phase der Bewegung im März 1974 der Startschuss für den Ausdauerlauf. Heute zählt der Deutsche Leichtathletik-Verband als Statthalter der Laufbewegung in 3 517 Orten Lauftreffs - mittlerweile gehören auch Walken und Nordic- Walken dazu, berichtet der Deutsche Sportbund. Dabei gelte das unverkrampfte Motto: Nicht der Schnellste, sondern der Langsamste bestimmt das Tempo.

Auch bei vielen Sportvereinen habe erst die Trimm-Dich-Aktion dazu geführt, Angebote des Breiten- und Freizeitsports in ihr Programm aufzunehmen, fand Mörath heraus. Allerdings seien die in unterschiedlicher Zielsetzung bis 1994 fortgeführten Aktionen aus heutiger Sicht zu wenig zielgerichtet gewesen, sagte Mörath: „Beispielsweise hätten die Schulen mehr einbezogen werden müssen - denn Sport im Kindesalter ist prägend für den Lebensstil als Erwachsener.“

Neben der Vernachlässigung des Punktes Ernährung sei auch die mangelnde Evaluierung der Ergebnisse ein Defizit gewesen: „Wir wissen zwar, dass 1971 neun Millionen Menschen in Deutschland durch Trimm Dich zur Bewegung angeregt wurden, wie lange sie damit jedoch weitermachten, wissen wir nicht.“ Auf der anderen Seite: Eine in erster Linie auf Plakate beschränkte Aktion wie die derzeitige DSB- Kampagne „Sport tut Deutschland gut“ bringt nach Möraths Auffassung auch nicht viel.

Der mangelnden statistischen Begleitung zum Trotz, habe der Motivations-Ton von Trimm Dich auch aus heutiger Sicht ins Schwarze getroffen. „Es ging nicht nur um Gesundheit oder ums Abnehmen, sondern vor allem um den Spaß an der Bewegung“, sagt Mörath, die bei ihren Recherchen nebenher noch eine Anekdote freilegte: Die bekannten Trimm-Pfade auf Waldwegen stammen ursprünglich gar nicht von Trimm Dich, sondern von einer Schweizer Versicherung. „Der Deutsche Sportbund ist dann auf den Zug gesprungen und hat mit so genannten Trimm-Parks nachgezogen.“

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