Türkei ist Ehrengast auf der Frankfurter Buchmesse
Buchtipp aus der Türkei: "Die Stadt mit der roten Pelerine"

Eine junge Ausreisserin zerbricht im Dickicht der Stadt.

"Die Stadt mit der roten Pelerine" heißt das in diesem Jahr auf Deutsch erschienene Buch von Asli Erdogan, das uns mitnimmt nach Brasilien, in die Stadt Rio de Janeiro. Dorthin hat es Özgür verschlagen, eine junge Akademikerin, - verwestlichte? - Türkin, die ihren Horizont erweitern will und feststellen muss, dass dahinter Gefahr lauert. Sie schreibt einen Roman über Ö., ihr Alter Ego - und was Fiktion ist und was Realität, beginnt zu verwischen.

Mit viel sprachlichem Geschick konstruiert Erdogan zwei verschiedene Erzählebenen. Beide führen in das Dickicht einer Großstadt, in die Favelas, in denen sich Armut ablagert wie Klärschlamm, in denen Menschen wie beiläufig leben, lieben und sterben. Chaos. Koks. Gewalt. Die Reise ins Fremde wird zu einer Reise ins innere Selbst, das sich bald schon nicht mehr wiederzuerkennen scheint. Schon verliert Özgür - was so viel heißt wie: die Freie, die Unabhängige - allen sozialen Halt und geht vor die Hunde. Dennoch kehrt sie Rio nicht den Rücken und wird das teuer bezahlen.


ASLI ERDOGAN, "Die Stadt mit der roten Pelerine"

Unionsverlag, Zürich 2008. 190 Seiten, 19,90 Euro.

Thomas Ludwig
Thomas Ludwig
Handelsblatt / EU-Korrespondent
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