Türkei ist Ehrengast auf der Frankfurter Buchmesse
Buchtipp aus der Türkei: "Zwei Mädchen"

Der Aufstand gegen die Mütter führt zwei Freundinnen in die Katastrophe.

Freiheit: für Behiye und Handan, zwei Teenager aus Istanbul, ist das eine Kategorie, die es auszuloten und mit persönlichem Leben zu füllen gilt. Die schöne Handan ist für die depressiv-aufmüpfige Behiye das "Gefühl, gerettet zu werden". Sie zieht zu ihr, beide Mädchen versuchen, sich von ihren Müttern zu emanzipieren, und geben einander das, was sie in ihrer Umwelt vermissen. Doch nach und nach gerät ihre Welt aus den Fugen. Was bei Behiye Rebellion ist und was psychischer Defekt, lässt sich kaum mehr voneinander unterscheiden. Vom ersten Tag an schwebt über der Freundschaft das drohende Desaster.

Perihan Magden, Jahrgang 1960, nimmt in "Zwei Mädchen" kein Blatt vor den Mund. Ihre Sprache hat nichts Blumiges, sondern ist scharf und kalt wie ein Skalpell auf dem Seziertisch, und doch bleibt sie einfühlsam. "Alles dreht sich ums Geld. An allem ist dieses verfickte Geld schuld", lässt Magden ihre Hauptfigur denken: "das Geld- und Pimmelimperium". Erwachsenwerden ist gnadenlos, für sich selbst Verantwortung übernehmen zu müssen ein schmerzlicher Prozess. Magden veranschaulicht das auf eindringliche Weise, und ihre frische Prosa ist nicht nur für junge Leser interessant.


PERIHAN MAGDEN, "Zwei Mädchen"

Suhrkamp, Frankfurt/M. 2008. 324 Seiten, 9,90 Euro.

Thomas Ludwig
Thomas Ludwig
Handelsblatt / EU-Korrespondent
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