Türkei zu Gast auf der Frankfurter Buchmesse
Bücher aus einem zerissenen Land

Die Türkei ist Gastland auf der diesjährigen Buchmesse in Frankfurt. Die Bücher aus dem Land Atatürks fesseln mit einem Kampf zwischen Tradition und Moderne, der die türkische Gesellschaft entzweit. Doch bei den Deutschen stößt türkische Literatur auf Desinteresse. Die Buchmesse bietet eine Chance zum Kennenlernen.

DÜSSELDORF. Als Murat Uyurkulat im Bonner Künstlerforum aus seinem Buch "Zorn" vorliest, scheint es exemplarisch: Kaum zwei Dutzend Zuhörer haben sich zu der Lesung eingefunden. Freilich, Uyurkulat ist keine literarische Größe der türkischen Literatur wie Nobelpreisträger Orhan Pamuk, die weltgewandte Elif Schafak oder das Schriftstellerurgestein Yasar Kemal - und doch: Ein bisschen mehr Aufmerksamkeit hätte der junge Mann wohl verdient. Sein Debütroman, in dem er voll revolutionären Esprits eine lange Zugreise ins anatolische Dyabakir schildert, ist zeitlich und sprachlich verschachtelt, nicht immer leicht zu verdauen aber doch außergewöhnlich.

Doch der Deutschen Interesse an der Türkei erschöpft sich oft in der Pflege lang gehegter Vorurteile. Neugier auf die Gesellschaft, die da an die Tür der EU klopft, deren Bürger seit Jahrzehnten schon das Leben hierzulande mitprägen? Fehlanzeige.

Als der Literaturnobelpreis 2006 an den aus Istanbul stammenden Orhan Pamuk ging, hätte das eine Wende in der deutschsprachigen Leserschaft einleiten können. "Leider hat sich die Hoffnung, dass Pamuk als Katalysator wirkt, nicht erfüllt", sagt Alice Grünfelder. Die Lektorin betreut beim Unions Verlag die Türkische Bibliothek. Ihr kommt im deutschsprachigen Raum eine Pionier-Rolle zu - präsentiert sie doch seit nunmehr drei Jahren höchst lesenswerte türkische Autoren von 1900 bis zur Gegenwart. Bis Ende kommenden Jahres wird die Bibliothek 20 Bände klassischer und moderner türkischer Literatur versammeln - nicht als Kanon, vielmehr als Konvolut, das Lust an der Entdeckung weckt.

In der Regel gehen die Bücher mit einer Auflage von 3 000 an den Start; von manchem ist inzwischen die zweite Auflage gedruckt. In Zürich feiert man das zumindest als Erfolg. "Die Türkei hat in Deutschland immer noch mit einem Negativimage zu kämpfen", sagt Grünfelder. Das zu durchbrechen sei nicht leicht.

Als Initiative wider die Ignoranz darf die Frankfurter Buchmesse gelten. Ihr diesjähriges Schwerpunktland: Türkei. Bei einem Rundgang zeigt sich schnell:Es gibt genügend Lesestoff mit dessen Hilfe deutsche Leser eine von Aufgeschlossenheit geprägte Neugier befriedigen könnten.

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