TV-Familiensaga
270 Minuten Krupp

Das ZDF präsentiert ab Sonntag einen Dreiteiler über eine der einst reichsten, berühmtesten und einflussreichsten Familien Deutschlands: Die Geschichte der Familie Krupp, genauer Krupp von Bohlen und Halbach. Über Generationen residierte die Familie in Essen auf der Villa Hügel und leitete von dort die Firmengeschicke - und damit auch die Geschicke Deutschlands.

DÜSSELDORF. Was mag die Menschen mit dem Namen Krupp angetrieben haben? Hatten sie von ihrem Prunksitz auf Hügel überhaupt noch einen Blick für die Realität? Und warum ist ihr Bild noch heute so positiv besetzt? Der Film von Produzent Oliver Berben und Regisseur Carlo Rola versucht, diese Fragen zu beantworten. Versucht, durch Fiktion und Dramatisierung die Lücken zu füllen, die Historiker trotz jahrelanger Suche nicht schließen konnten. "Vor allem im privaten Bereich ergab es sich von selbst, dass wir anhand der Fakten zu rekonstruieren versucht haben, wie Alfried gedacht und gefühlt haben mag und wie er so geworden ist, wie er war", sagt Carlo Rola zu Handelsblatt.com. Alfried Krupp von Bohlen und Halbach gilt als der letzte "echte" Krupp, an seinem Lebenswerk soll das Ende der Kruppfamilie als Industriellendynastie erzählt werden.

270 Filmminuten, verteilt auf drei Teile, waren dafür notwendig, 80 Drehtage und eine mehr als zweijährige Vorbereitungszeit. Der Film beginnt Anfang des 20. Jahrhunderts mit Alfrieds Mutter, Bertha Krupp. Ihr durchaus bemerkenswertes Leben wird im Film noch ein bisschen schillernder. An dramatischen Momenten lassen es die Macher des Filmes jedenfalls nicht mangeln: Mit 16 Jahren wird sie zur Alleinerbin des Firmenimperiums, ihr Ehemann wird von Kaiser Wilhelm II. persönlich ausgewählt und als Mutter des zukünftigen Firmenchefs sieht sie ihr einziges und wichtigstes Ziel darin, den Sohnemann auf seine künftige Führungsposition vorzubereiten. Weil dessen Ehefrau so gar nicht ins Bild der mondänen Kruppfamilie passen will, sorgt die Mutter dafür, dass sie schließlich die Scheidung von Alfried Krupp von Bohlen und Halbach einreicht. Unglückliche Liebe kommt im Film immer gut.

Was erwartet der Zuschauer von "Krupp - Eine deutsche Familie"? Wahrscheinlich einen Film, der nichts auslässt. Einen Film über eine Familie, deren Leben eng mit der deutschen Geschichte, der deutschen Politik verknüpft ist. Vor allem, wenn man bedenkt, dass der Erste Weltkrieg, der als Materialschlacht in die Geschichtsbücher einging, mit Waffen aus dem Hause Krupp geführt wurde. Je mehr Menschen und Maschinen auf den Schlachtfeldern zerschlissen wurden, desto mehr produzierten die Werke in Essen und im Ruhrgebiet. Die Militärversessenheit Kaiser Wilhelms II. bescherte den Krupps großen Reichtum, im Jahr 1914 beschäftigte der Kruppkonzern rund 80 000 Mitarbeiter und die "dicke Bertha", ein Geschütz, das selbst stärkste Befestigungsanlagen durchschlug, war eine populäre Waffe im Ersten Weltkrieg.

Als mit Hitler der nächste Kriegsnarr an die Macht kam, stand die Familie Krupp, wenn auch nach anfänglichem Zögern, wieder an der Seite des Machthabers. Kann man Krupp nun als skrupellose Waffenlieferanten abstempeln? "Wir gehen an diese Fragen mit moralischen Ansprüchen ran, aber die passen nicht unbedingt zu der Logik von wirtschaftlichen Entscheidungen. Ob damals oder heute, Waffen werden nicht aus ideologischen Gründen hergestellt oder verkauft, sondern um Geld zu verdienen und seine Angestellten weiter zu beschäftigen", erklärt Regisseur Carlo Rola.

In seinem Film ist es die Geschichte der Familie, die im Vordergrund steht, weniger die historischen Ereignisse. Es geht vor allem um die Biographie von Alfried. An seinem Lebenswerk, seinen Erfolgen und seinem Scheitern soll die Geschichte der Familie Krupp erzählt werden. Aber die eigentliche Geschichte von Krupp geht weit über eine Familiensaga hinaus. Krupp war und ist ein Industrieunternehmen, ohne das das Ruhrgebiet nicht sein heutiges Gesicht hätte. Krankenhäuser, Kindergärten und Schulen, ganze Stadtteile tragen den Namen der Industriellendynastie. Und Stahl von Krupp gilt noch immer als der härteste der Welt.

"Krupp - Eine deutsche Geschichte", Teil 1: Sonntag, 22.3., Teil 2: Montag, 23.3. und Teil 3: Mittwoch, 25.3, jeweils um 20.15 Uhr

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