TV-Kritik
Lanz bleibt Lanz

Während das Netz seine Moderation hämisch begleitet, bleibt „Wetten, dass..?“-Moderator Lanz gelassen. Zwischen Sparwitzen und Prominentengeplauder moderiert er die Kritik an seiner Person einfach weg.
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KarlsruheDie Online-Petition „Raus mit Markus Lanz aus meiner Rundfunkgebühr!“, die gerade einige Aufmerksamkeit auf sich zog, hatte am Samstagabend um 20.15 Uhr, als „Wetten, dass..?“ begann, rund 199.400 Unterstützer. Als der Privatfernseh-Comedian Atze Schröder, als Freddie Mercury verkleidet, mit einhundert Bauarbeitern zum 1970-er-Hit „YMCA“ tanzte, unmittelbar bevor die Sendung sehr pünktlich um 22.45 Uhr endete, waren es 202.188 Unterstützer. Die Quote ist zu diesem Zeitpunkt längst im Keller, das Dschungelcamp auf RTL hat zu diesem Zeitpunkt schon mehr Zuschauer.

Und auch bei der Saalwette werden die Vorgaben nur knapp erfüllt: Die Zahl der Bauarbeiter hinter Atze Schröder, soll sich auf genau 100 belaufen haben - womit Lanz die Saalwette gegen den Veranstaltungsort Karlsruhe um ein Haar verlor. Wären es nur 99 gewesen, hätte er gewonnen. Der hundertste Bauarbeiter sei erst in letzter Minute angekommen, behauptete die als Co-Moderatorin betraute Ex-Profiboxerin Regina Halmich. Lanz war es gleichgültig. Er zählte nicht nach, er ließ diesen einen - wenn man die Sendung ernst nähme: Spannungsmoment verpuffen. Dafür beendete er die Sendung pünktlich. Markus Lanz blieb seinem Erfolgsrezept treu: Er interessiert sich für alles, was er moderiert, und jeden Gast gleich viel - nämlich so gut wie gar nicht. Dafür kann er aber auch Sendungen aller Art moderieren und mit jedem routiniert reden, ob es ein Kind ist oder ein Hollywoodstar. Er sagt zu jedem Gast mindestens einmal, wie sehr es ihn freue, dass er da ist, selbst wenn er überhaupt nicht weiter mit ihm redet.

Denen, mit denen er noch spricht, stellt er ein paar Fragen, die ebenso gleichgültig sind wie deren Antworten. Seine Fragen haben mit denen ohnehin nichts zu tun. Auch an diesem Abend sorgt seine Moderation für hämische Kritik in den sozialen Netzwerken. Ob auf Twitter oder Facebook, Kommentare wie „Herr Lanz ist für seine Verhältnisse locker wie nie und lässt eigentlich alle ausreden“ sind keine Seltenheit: Die Kritiker im Netz freuen sich, dass sie auf den Second Screens eine große Gemeinschaft bilden. Lanz und das ZDF freuen sich, wie groß die Menge ist, die auf den Fernsehgeräten oder im Livestream eben auch das ZDF einschaltet. Die Kritik perlt an Lanz ab.

Die Sendung am Samstag begann vor frenetisch klatschendem Publikum mit guten Wünschen zum nicht mehr ganz neuen Jahr. Lanz startet mit Sparwitzen. Karlsruhe sei ja „eine der schönsten Städte Europas“, sagte er, enthalte im Moment aber arg viele Baustellen. Wem das nicht passe, der könne ja „eine kleine Online-Petition“ starten. Lanz dagegen bietet die bereits erwähnte Bauarbeiter-Wette an.

Kommentare zu " TV-Kritik: Lanz bleibt Lanz"

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  • Warum tut sich Lanz das an und wie lange sieht sich das ZDF dieses Quotendesaster noch an; Lanz ist nun einmal ein eitler Selbstdarsteller der sich auf Kosten der Gäste profiliert und für dieses Format ganz und garnicht der Richtige ist; vor lauter Angst, etwas Falsches zu sagen falls der Souffleur im Ohr ausfällt, plätscherte die Sendung seicht dahin; Schlafwagen-TV par excellence

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