Udo Lindenberg Die Reeperbahn feiert „Hinterm Horizont“

Der wilde Westen trifft den heißen Osten - so beschreibt Udo Lindenberg selbst sein Musical „Hinterm Horizont“. In sein „Mädchen aus Ostberlin“ verliebt sich der Rockstar aus dem Westen jetzt auf der Reeperbahn.
Udo Lindenberg (M., r.) und Lindenberg Darsteller Alex Melcher (M., l.) stehen nach der Musical-Premiere in Hamburg mit den Ensemblemitgliedern auf der Bühne. Quelle: dpa
„Hinterm Horizont"“

Udo Lindenberg (M., r.) und Lindenberg Darsteller Alex Melcher (M., l.) stehen nach der Musical-Premiere in Hamburg mit den Ensemblemitgliedern auf der Bühne.

(Foto: dpa)

HamburgPremiere mit Prominenz und Panikdresscode für Udo Lindenbergs Musical: Auf der Hamburger Reeperbahn hat der Musiker am Donnerstagabend den Start seiner Show „Hinterm Horizont“ gefeiert. Die Story vom „Mädchen aus Ostberlin“ und dem Rockstar aus Hamburg, die zuvor mehr als fünf Jahre lang in Berlin lief, geht in überarbeiteter Fassung bis Sommer nächsten Jahres im Operettenhaus über die Bühne. Hamburg ist seit langem die Wahlheimat des 70-Jährigen.

Prominente Freunde und Kollegen wie Komiker Otto Waalkes und Sängerin Vicky Leandros kamen ebenso wie Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) oder Stars aus dem Amüsierviertel St. Pauli, etwa Dragqueen Olivia Jones oder Theatermacher Corny Littmann. „Der ganze Kiez ist am Start“, jubelte Lindenberg. „Jetzt bin ich wieder hier, auf der Reeperbahn - da, wo ich hingehöre.“ Er kennt Kneipen und Kiezianer seit Jahrzehnten und freute sich aufs „Familien- und Expertentreffen“.

Die Reeperbahn hat Lindenberg nicht nur mehrfach und legendär besungen, hier hat er sich auch mit einem Stern vorm „Café Keese“ und einer Wachsfigur im „Panoptikum“ verewigt. Letzteres befindet sich gleich neben dem Operettenhaus, wo in den nächsten Monaten Abend für Abend anhand von knapp 30 Songs des Deutschrockpioniers eine Lindenberg-Story und ein Stück deutsch-deutsche Geschichte erzählt wird – mit extra Hamburg-Touch, etwa durch Rückblicke auf die Zeit in der Musikkneipe „Onkel Pö“.

Im „Pö“ trat auch Lindenbergs einstiger WG-Kumpel und Komiker Otto Waalkes auf, für den das Musical „selbstverständlich“ auf die Reeperbahn gehört - „wohin denn sonst?“. Im schrillen Outfit und über zwei Meter groß überragte Panik-Paradiesvogel Olivia Jones derweil wieder alle anderen. Die einstige Teilnehmerin des RTL-Dschungelcamps betrachtete sich an diesem Abend als „Udos First Lady“ - und außerdem als „heiliggesprochen“, schließlich komme auch sie im Musical vor.

„Entschuldigen Sie, ist das der Sonderzug nach Pankow?“
Udo Lindenberg rockt den Sonderzug nach Pankow
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Udo Lindenberg hat Jahrzehnte vom „Sonderzug nach Pankow“ geträumt. Am Mittwoch um 18.16 Uhr ist es soweit. „Ein alter Traum wird endlich wahr“, sagt Lindenberg. „Es gab ja schon mal einen Sonderzug, zum Tag der Einheit 2003 nach Magdeburg, aber noch nie einen nach Pankow.“

Sonderzug nach Pankow
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Ein Sonderzug der U-Bahn rollt am Olympiastadion im tiefen Berliner Westen los. Das Abfahrtsignal piept, in den Waggons riecht es nach Zigarre: Lindenberg ist an Bord. Und mit dem Rocker Fans, die Karten für das U-Bahn-Konzert gewonnen haben. „Es wird ganz intim. Ich hoffe, ihr habt alle eure Reizwäsche mitgebracht“, sagt Lindenberg, wie üblich mit Hut und Sonnenbrille.

Udo Lindenberg im Sonderzug
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1983 hatte der Musiker aus dem Westen den „Sonderzug nach Pankow“ besungen – eine freche Aufforderung, ihn im Osten auftreten zu lassen. In Pankow wohnten die DDR-Oberen. Dort wollte der Rocker hin. „Ich muss da was klären, mit eurem Oberindianer. Ich bin ein Jodeltalent und will da spielen mit 'ner Band“, sang er. Bei seinen Fans im Osten war Lindenberg seit dem Mauerfall 1989 immer wieder. Nur ein solcher „Sonderzug nach Pankow“ musste 32 Jahre lang auf die Abfahrt warten.

Lindenberg trifft seinen Doppelgänger
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Unterwegs spielt Lindenberg mit seinen Musikern einige Hits, auch Musicaldarstellerin Josephin Busch ist dabei. An einer U-Bahntür schaut ein Doppelgänger zu. Ein Tablett mit dem typischen Eierlikör wandert durch die Reihen. Für Udo Lindenberg war es ein ganz besonderer Abend: „Das ist eine historische Sache heute – nicht hysterisch, sondern ganz entspannt.“

U-Bahn-Konzert
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Lindenberg tanzt, drückt seine Fans. Als er den „Sonderzug nach Pankow“ singt, leuchten draußen in der Dämmerung die Hochhäuser am Potsdamer Platz. Das Lied wurde 1983 einer der größten Ohrwürmer: „Ich hab'n Fläschchen Cognac mit und das schmeckt sehr lecker. Das schlürf' ich dann ganz locker mit dem Erich Honecker. Und ich sag: Ey, Honey, ich sing für wenig Money im Republik-Palast, wenn ihr mich lasst.“

Im Sonderzug der U-Bahn-Linie 2 vom Olympiastadion nach Pankow
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Im Palast der Republik durfte Udo Lindenberg noch im selben Jahr auftreten – es sollte bis zum Mauerfall seine einzige Show im Osten bleiben. Die geplante Tour wurde ihm von der DDR-Regierung wieder abgesagt.

Lindenberg posiert für seine Fans
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Das alles wissen wohl noch die meisten, die in der U-Bahn selig die Lieder mitsingen. „Hinterm Horizont“ klingt auf der Ost-West-Fahrt nach mehr Gänsehaut als sonst. Als der Sonderzug um 19.30 in der U-Bahnstation von Pankow einrollt, warten Menschentrauben mit gezückten Handys.

Auch Lindenbergs Ex-Bodyguard Eddy Kante, der inzwischen Kiez-Führungen im Team von Olivia Jones gibt, wurde im Musical ebenso wenig vergessen wie auf der Gästeliste. Der Streit zwischen ihnen sei beigelegt, hatte Lindenberg bereits erklärt. Alles wieder in Ordnung zwischen den beiden? Alles „super“, sagte Kante, „ja klar, warum denn nicht?“ Daneben schlenderten gleich mehrere Udo-Doppelgänger über den roten Teppich. Bevorzugte Outfits dort auch sonst: schwarz und rockig im Stil des Panikrockers.

Mit seinem Bühnen-Udo Alex Melcher, der bereits am Abend zuvor ebenso wie Josephin Busch als Mädchen aus Ostberlin auf der Medienpremiere gefeiert wurde, zeigte sich Lindenberg mehr als zufrieden. „Hammer“, lautete sein Kommentar. „Er macht das sehr charmant.“ Er selbst sei derzeit jeden Tag auf der Reeperbahn und werde es auch in Zukunft oft sein - da, wo in den nächsten Monaten zumindest im Musical „der wilde Westen auf den heißen Osten trifft“.

  • dpa
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