Über Lieblingspasta und Salieris Zauber
Die Verführerin

Vier Stunden vor ihrem Konzert im Park von Schloss Monrepos: Cecilia Bartoli ist gut gelaunt, wirkt kein bisschen angespannt. Trotz eines kleinen Schreckens: Ein Vogel hinterlässt einen grün-weißen Fleck mitten auf ihrer Nase. Oh Gott, eine Katastrophe? Überhaupt nicht.

Jede andere wäre entsetzt, eine Primadonna erst recht. Man muss sich nur die Callas vorstellen. Cecilia Bartoli aber lacht, ist fast begeistert über die spontane Glücksbotschaft, wischt sie ab und bewahrt das Taschentuch auf.

Die Bartoli ist ein fröhliches Menschenkind. Wenn man böse wäre, könnte man sagen: Fröhlichkeit ist ihr Markenzeichen. Die Marke Bartoli. Sie will es immer schön haben. Schwierigkeiten sind Privatsache. Eine Frage der Erziehung.

Als sie vier Jahre alt ist, nehmen ihre Eltern sie zum ersten Mal mit in die Oper. „Ich habe ‚Aida’ gesehen, in Rom. Der große Chor, die Tänzer, die Tiere, was für ein Spektakel.“ Cecilia Bartoli schwärmt, als wäre dieser phantastische Ausflug erst gestern gewesen. Die Bühne wird das Zuhause der Römerin, denn unter den Figuren, denen sie da oben zusieht, sind meist ihre Eltern, von Beruf Opernsänger.

Bei den Bartolis wird ständig gesungen, musiziert, gefeiert und gelitten im Namen der Musik. Irgendwann wird das dem jungen Mädchen alles zu viel, es protestiert auf seine Weise, verliebt sich und will partout etwas anderes machen: Flamenco lernen. Die Sängerin erinnert sich, wie klug ihre Eltern damals reagiert haben: „Warum nicht?“ hätten sie völlig emotionslos gesagt und damit genau den gewünschten Effekt erzielt. Cecilia geht natürlich doch ans Konservatorium. Denn eins weiß sie: „Mein Instrument ist in mir. Es ist meine Stimme!“

„Ich höre Musik, seitdem ich im Bauch meiner Mutter war.“ Ihre Mutter Silvana Bazzoni ist ihre Lehrerin, bis heute. Ist das nicht schwierig? „Nein. Ich war viel in Hotels, weg von meinen Freunden, mit meiner Mutter fühlte ich mich ein bisschen wie zu Hause.“ Bazzoni ist eben eine italienische Mama, mehr verrät Cecilia Bartoli nicht. „Lernen ist für mich ein Spiel, ich bin nie gezwungen worden“, versichert sie.

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