Übergabe am 10. Dezember
Südafrikaner J.M. Coetzee erhält Literatur-Nobelpreis

Der diesjährige Literaturnobelpreisträger wird an den südafrikanischen Schriftsteller John Maxwell Coetzee verliehen. Das gab die Königliche Akademie der Schönen Künste in Stockholm bekannt.

STOCKHOLM. In der Begründung heißt es, Coetzee, "der in zahlreichen Verkleidungen die überrumpelnde Teilhabe des Außenseitertums darstellt", sei ein gewissenhafter Zweifler. Seine Romane zeichnen sich durch eine "verschlagene Komposition, verdichteten Dialog und analytische Brillianz aus".

Zu Coetzees bekanntesten Werke zählen "Schande" (2000), "Warten auf die Barbaren" (2001) und "Leben und Zeit des Michael K." (1986). Immer wieder handeln seine Bücher von den Verhaltensweisen der Menschen, die durch das südafrikanische Apartheid-System geprägt wurden. Die meisten seiner Bücher sind in Deutschland bei den Verlagen Hanser und Fischer erschienen. Der deutsche Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki begrüßte die Auszeichnung an den Südafrikaner. "Ich glaube, dass war eine vernünftige Entscheidung", sagte er. Freude gepaart mit Sorge bei Coetzees schwedischer Verlegerin Dorotea Bromberg: Ihr Verlag habe nur einige hundert Exemplare von Coetzess Büchern im Lager, sagte sie. Man werde aber umgehend mit dem Nachdruck beginnen.

Der 1940 in Kapstadt, Südafrika, geborene Coetzee ist englischer und deutscher Herkunft. Er wurde von seinen Eltern auf die englische Schule geschickt. Anfang der 60-er Jahre lebte er für einige Jahre in Großbritannien, studierte später Literaturgeschichte in den USA. Bis 1983 lehrte er Literatur und Englisch an der State University of New York in Buffalo. 1984 erhielt er eine Professur für englische Literatur an der Universität in Kapstadt. Vor einem Jahr übersiedelte er nach Australien, wo er an der Universität in Adelaine tätig ist. Coetzee soll über die Auszeichnung "sehr erfreut" gewesen sein, wie sein britischer Verleger Jeff Mulligan mitteilte. Interviews wolle er aber zunächst nicht geben.

Mit der Auszeichnung des weltweit angesehensten Literaturpreises hat die Akademie in Stockholm erneut überrascht. Zwar wurde Coetzee in den vergangenen Jahren immer wieder einmal als Geheimtipp gehandelt, doch in diesem Jahr kam sein Name in den Vorab-Spekulationen nicht vor. Coetzee ist nach Nadime Gordimer (1991) der zweite südafrikanische Schriftsteller, der den Literaturnobelpreis erhält.

Mit der Bekanntgabe des Literaturnobelpreisträgers ist der diesjährige Nobel-Reigen eingeleitet worden. In der kommenden Woche werden die Namen der Medizin-, Physik-, Chemie-, Wirtschaft- und Friedensnobelpreisträger in Stockholm und Oslo bekannt gegeben. Die Preise, die in diesem Jahr mit 10 Mill. Kronen (1,1 Mill. Euro) dotiert ist, werden am 10. Dezember, dem Todestag des Stifters Alfred Nobel in Stockholm und Oslo übergeben. 1999 erhielt Günter Grass den Literaturnobelpreis.

Am Donnerstagvormittag hatte die Right Livelihood Foundation bereits den alternativen Nobelpreis an die phillipinischen Menschenrechtler Walden Bello und Nicanor Perlas für ihren Einsatz als Globalisierungsgegner verliehen. Weitere Preisträger sind die südkoranische Bürgerkoalition für wirtschaftliche Gerechtigkeit, die für soziale Gerechtigkeit und die Versöhnung mit Nordkorea kämpft sowie das ägyptische Agrar-Unternehmen Sekem. Die Firma hat sich nach Angaben der Juroren für die Verbreitung biodynamischer Anbaumethoden verdient gemacht. Der alternative Nobelpreis ist insgesamt mit 2 Millionen Kronen (220 000 Euro) dotiert. Ein nicht dotierter Ehrenpreis ging an den früheren neuseeländischen Premierminister David Lange für seinen "beharrlichen Kampf über viele Jahre für eine von Atomwaffen befreite Welt". Die Preise werden am 9. Dezember den Preisträgern in Stockholm übergeben.

Helmut Steuer berichtet für das Handelsblatt aus Skandinavien. Regelmäßig ist er auch in der Ukraine unterwegs.
Helmut Steuer
Handelsblatt / Korrespondent
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