Überraschendes Bekenntnis
Günter Grass gesteht SS-Mitgliedschaft

In seinem demnächst erscheinenden Erinnerungsbuch macht der Literaturnobelpreisträger Günter Grass ein bedrückendes Bekenntnis zu seiner Vergangenheit in der Nazi-Zeit: Im zweiten Weltkrieg war Günter Grass Mitglied der Waffen-SS. Das bekannte Grass völlig überraschend in einem Interview der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“. Bisher hatte es in den Biografien des Autors der „Blechtrommel“ lediglich geheißen, er sei 1944 als Flakhelfer eingezogen worden und habe dann als Soldat gedient.

HB FRANKFURT/MAIN. Laut „FAZ“ berichtet Grass in seinem im September erscheinenden Erinnerungsbuch „Beim Häuten der Zwiebel“ ausführlich, er habe sich mit 15 Jahren freiwillig zur U-Boot-Truppe gemeldet, die aber niemanden mehr genommen habe. So sei er als 17-Jähriger aus dem Reichsarbeitsdienst anstatt dessen nach Dresden zur Waffen-SS einberufen worden und habe der zehnten SS-Panzerdivision „Frundsberg“ angehört. In dem Buch des Steidl-Verlags schildert der heute 78-Jährige seine Kindheit in Danzig, Kriegsdienst und Kriegsgefangenschaft sowie seine Anfänge als Künstler im Nachkriegsdeutschland.

In dem Interview sagte Grass zu seinen Erlebnissen im Krieg: „Ich habe das, im Rückblick, immer als einen Makel empfunden, der mich bedrückt hat. Mein Schweigen über all die Jahre zählt zu den Gründen, warum ich dieses Buch geschrieben habe. Das musste raus, endlich.“ Zu seiner Rekrutierung nach seiner Abweisung bei den U-Booten sagte der Schriftsteller, die Waffen-SS habe in diesen letzten Monaten 1944/45 „genommen, was sie kriegen konnte“. Das habe für Rekruten, aber auch für Ältere gegolten, die von der Luftwaffe gekommen seien: „Hermann-Göring-Spende“ habe man das damals genannt. Der Schriftsteller fügte hinzu, in der Zeit seines Einsatzes seit Februar/März 1945 bis zu seiner Verwundung am 20. April 1945 keinen einzigen Schuss abgegeben zu haben.

Schriftstellerkollege Walter Kempowski sagte dem Berliner „Tagesspiegel“: „Ein bisschen spät kommt das.“ Auch für Grass gelte das Wort aus der Bibel: „Wer selbst ohne Sünde ist, werfe den ersten Stein“, so Kempowski. Grass-Biograf Michael Jürgs sagte ebenfalls dem „Tagesspiegel“, er sei „persönlich enttäuscht“. Es handele sich um „das Ende einer moralischen Instanz“.

Seite 1:

Günter Grass gesteht SS-Mitgliedschaft

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%