Uhrenfreunde wollen die Ästhetik der Mechanik genießen
Die Unruh im Blick

Wie schön, wenn man sehen kann, wie der Puls der Zeit schlägt. Deshalb wollen Sammler alter Armbanduhren nicht auf den Blick auf drehende Zahnrädchen, die schwingende Unruh, gebläute Schrauben und polierte Werkteile verzichten.

Das ist die Erfahrung von Jan Jourdan. Seit zwei Jahren fertigt er Uhrenböden mit Sichtfenster auf Bestellung. "Das meiste, was auf meinen Tisch kommt, sind Sammleruhren aus den 60er- und 70er-Jahren", sagt Jourdan.

Einige Sammler haben bereits ihre komplette Kollektion von ihm mit Glasböden ausstatten lassen. Zum Beispiel der Glasboden einer Blancpain Leman. Der sieht so perfekt aus und dem Original so ähnlich, dass man vermuten könnte, Jourdan habe aus dem Originalboden einfach die Passung für das Saphirglas herausgefräst. Weit gefehlt. "Damit die Uhr später auch im Originalzustand weiterverkauft werden kann, lasse ich den ursprünglichen Boden immer unberührt", sagt er. Der Sammler dankt es ihm, denn so bleiben die alten Stücke authentisch und verlieren nicht an Sammlerwert.

Übernommen hat der Uhrmachermeister diesen Geschäftszweig von einem Kollegen, der eine eigene Uhrenmarke gegründet hatte. Seine Uhrmacherwerkstatt, in der er auch Expertisen über Sammleruhren erstellt, betreibt Jourdan in Frankfurt am Main. Die vergleichsweise schmutzige Arbeit der Glasbodenherstellung hat er in seine Heimatstadt Gelnhausen ausgelagert.

"In dieser Werkstatt hat schon mein Großvater gearbeitet", erzählt Jourdan, als er von einem großen Hof kommend den kleinen Raum betritt. Ein Regal steht drin, dazu ein großer Tisch, zwei Drehmaschinen, eine Standbohrmaschine und ein Poliermotor. In einer Ecke versteckt sich ein alter, leicht angerosteter Amboss. Dort, wo früher die Werkzeuge des Zimmereibetriebs Jourdan in Ordnung gehalten wurden, entstehen heute kleine Kunstwerke.

Jourdan arbeitet im Wortsinne aus dem Vollen. Ausgangspunkt seiner Arbeit ist ein Edelstahlrohling, der aussieht wie ein abgeschnittenes Stahlrohr. Den spannt er auf das Futter seiner großen Drehbank auf und dreht ihn mit extrem scharfem Stichel nach einer Zeichnung auf die gewünschte Höhe ab. Denn bevor sich Jan Jourdan an die Drehbank stellt, hat er Gehäuse und Originalboden geprüft und vermessen. Schließlich soll der Glasboden dem Original in seiner Grundform so nahe wie möglich kommen.

Zurück an die Maschine. Stimmt die Höhe, wird der Glassitz ausgedreht, dann werden bei Schraubböden die Löcher für den Gehäuseöffner gebohrt und die Außenform gestaltet. Die eckige Grobform entsteht auf der Drehmaschine. Schleifpapier in drei verschiedenen Körnungen schafft weiche Rundungen. Gehäusepassung drehen, Gewinde schneiden, entgraten und polieren - mit traumwandlerischer Sicherheit bearbeitet Jourdan den Edelstahl.

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