Uhrenindustrie
Malerische Zeitgestaltung

Das Zifferblatt ist das „Gesicht“ der Uhr, das sich aus der Menge abhebt. Und weil viele Männer ihre Entscheidungen mit den Augen treffen, setzt die Uhrenindustrie auf kreatives Design und alte Handwerkskunst.

DÜSSELDORF. „Willkommen im Industriemuseum.“ Mit einem Lächeln und einem Hauch Selbstironie begrüßt Jochen Benzinger den Besucher in seiner Werkstatt. Er weist ans Ende des zehn Meter langen Raumes: „Da hinten steht die älteste Maschine, mit der ich arbeite. Die stammt etwa aus dem Jahr 1880, die jüngste ist knapp 60 Jahre alt.“ All diese Zeugnisse deutschen und Schweizer Maschinenbaus dienen nur einem Zweck: Uhren schöner zu machen.

Der 45-jährige Pforzheimer pflegt eine uralte Handwerkskunst mit Maschinen, die schon lange nicht mehr gebaut werden: das Guillochieren. Diese Kunst beherrscht in Europa noch eine Hand voll Menschen, weshalb Benzingers Arbeitskraft sehr gefragt ist. Eigentlich ist er gelernter Graveur. Doch schon zu Beginn seiner Lehrzeit 1978 gehörte das Guillochieren, also das Einschneiden von regelmäßigen Linienmustern auf Metall, nicht mehr zum Berufsbild des Graveurs, obwohl es eng mit dem Gravieren verwandt ist. Aber Benzinger war fasziniert von der Technik und wollte sie sich selbst aneignen. Glücklicherweise fand er zu dieser Zeit noch alte, erfahrene Guillocheure aus Pforzheimer Schmuckbetrieben, die ihr Können und Wissen weitergaben.

Es gibt eben Menschen, die sammeln Briefmarken, andere Münzen. Und er sammelt Guillochiermaschinen. „In Pforzheim hatte nahezu jede Schmuckfabrik mindestens eine. Als das Guillochieren aus der Mode kam oder Firmen zumachten, standen die zum Verkauf.“ Da hat er zugeschlagen und sein „Industriemuseum“ eingerichtet.

Im Jahr 1985 machte sich Benzinger mit diesem Know-how selbstständig, schaffte sich so eine attraktive Nische und arbeitete jahrelang erfolgreich für die Schmuckbranche. Seit Anfang des neuen Jahrtausends bearbeitet der Pforzheimer jedoch ausschließlich Uhren. Zunächst gestaltete er die Uhrwerke, später auch komplette Uhren inklusive Zifferblatt.

„Letztlich habe ich hier aus der Not eine Tugend gemacht“, berichtet Benzinger. Und fügt mit einem Augenzwinkern an: „Die Hersteller, bei denen ich früher einzelne Blätter bestellt habe, waren immer hoch erfreut über solche Großaufträge.“ Ständig musste er auf die Lieferungen warten. Jetzt verschönert er sie in Eigenregie.

Schließlich ist Benzinger sich bewusst, dass teure Uhren nicht ausschließlich wegen ihrer komplizierten Mechanik gekauft werden, sondern auch wegen des Aussehens. Und da spielt das Zifferblatt, das von Fachleuten auch oft als das „Gesicht der Uhr“ bezeichnet wird, eine wichtige Rolle.

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