Unbändige Lust am gekonnten Stilbruch
Canzone-Mix

Das Sextett „Piccola Orchestra Avion Travel“ mischt italienischen Pop frech auf.

Der Titel ihrer im Frühjahr erschienenen CD klingt abstrus: „Poco mossi gli altri bacini“, zu Deutsch: „Die anderen Gewässer sind weniger bewegt.“ Ein wundersamer Titel für ein originelles Popalbum, das eine unbändige Lust am gekonnten Stilbruch verrät. Das tut dem Kultstatus des Sextetts „Piccola Orchestra Avion Travel“ in Italien keinen Abbruch. Die sechsköpfige Truppe um Sänger Peppe Servillo nimmt im Oktober Kurs auf Deutschland. Wie klingt der Sound, der süchtig machen soll? Tango-Rhythmen treffen auf Jazz-Sequenzen, arabische Klang- Ornamente winden sich um volkstümliche Tarantellas, Pop-Poesie begegnet der neapolitanischen Canzone. Diese markante Mischung klingt weder chaotisch noch kühn konstruiert; sie ist schlicht lebensprall. Euphorie und Melancholie, Liebesglück und von leiser Ironie begleiteter Weltschmerz: das sind die Koordinaten der großen und kleinen Geschichten, die das „Piccola Orchestra Avion Travel“ in ihren poetischen, an die Filmmusiken Fellinis erinnernden Songs erzählt.

„Ich denke, die großen Gefühle gehören ebenso zu den Geschichten des Lebens wie die kleinen Details, die Ironie und die Komik, und gerade wir wildern viel in den Gefilden des Tragikomischen. Wir sind ja aus der Gegend von Neapel, und hier paart sich oft das Tragische mit dem Komischen“, erklärt Peppe Servillo.

Die Besinnung auf die Tradition der neapolitanischen Canzone verdankt das „Piccola Orchestra Avion Travel“, das in den achtziger Jahren noch im Stil von Police und Talking Heads rockte, dem italienischen Produzenten Italo Greco. Er wies die Musiker auf ihre Wurzeln hin, forderte sie auf, eine glaubwürdigere Musik zu machen. Die Band entwickelte eine eigene Handschrift – smart, intelligent, innovativ und hat Erfolg damit.

Die Herren können nämlich große Gefühle inszenieren – kitschfrei. Peppe Servillo, ein Magier, der becirct, weil er Songs wie kleine Theaterstücke rüberbringt: ganz ohne Pathos und Penetranz. Die übrigen Mitglieder der Band halten sich zurück, wenn Peppe auf der Bühne ein Feuerwerk der Emotionen entzündet und klarstellt, wo die Gewässer wild bewegt und wo sie seicht sind. Dabei ist der ganzen Band die Lust am Geschichtenerzählen anzumerken. Geschichten, die bitter-süß wie Campari schmecken. Und besser noch als Prosecco.

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