US-Autoren setzen sich in Deutschland durch - auch weil sie ihr Handwerk in Schreibkursen lernen
Jung, amerikanisch, erfolgreich

Große Freiheit und großer Katzenjammer. Misslungene Lebensentwürfe und vergebliche Versuche, wieder Fuß zu fassen. Die Figuren, die in amerikanischen Romanen auftauchen, haben Geschichten zu erzählen, die oft für mehrere Leben ausreichen.

HB BERLIN. Das Interesse an amerikanischer Belletristik ist nach wie vor enorm. Für deutsche Leser ist sie die attraktivste ausländische Literatur. Zwar ist der Boom der neunziger Jahre vorbei, als Vertreter großer deutscher Verlage bei den internationalen Auktionen immense Summen boten, um Lizenzen zu erwerben. Dennoch erschienen zuletzt pro Jahr 7 500 Übersetzungen auf dem deutschen Buchmarkt - gut die Hälfte davon aus dem Englischen und Amerikanischen.

John Updike, Philipp Roth, Don DeLillo, Paul Auster: Die Liste der erfolgreichen zeitgenössischen Autoren ließe sich lange fortführen. Schon gibt es nach den Bestsellern "Korrekturen" von Jonathan Franzen und "Middlesex" von Jeffrey Eugenides eine jüngere Garde, die auf dem deutschen Buchmarkt Erfolge feiert: Jonathan Safran Foer, Colson Whitehead und Jonathan Lethem. Der deutsche Autor Bodo Kirchhoff sagte einmal, er schätze US-Autoren, die eine Kleinstadt im Mittleren Westen so beschreiben können, dass sie zur "Metapher für das Welttreiben" wird.

Adam Langer ist einer dieser Schriftsteller, der auf fast 600 Seiten einen Kosmos entfaltet. In seinem Debüt "Crossing California" erzählt er die Geschichte Chicagos in den achtziger Jahren, als Amerikas Selbstbewusstsein am Boden liegt und politische sowie wirtschaftliche Krisen den Amerikanern zu schaffen machen. Im Mittelpunkt stehen drei junge Leute: der schwarze Junge Muley, die jüdische Jill und Lana, die aus einem traditionellen bürgerlichen Haushalt stammt.

Deren Geschichten kreuzen sich. Muley, Jill und Lana suchen ihren Weg durchs Leben und lehnen sich dabei kreativ und kritisch gegen die Zumutungen des Erwachsenseins auf. Von Kapitel zu Kapitel wechselt der Autor die Perspektive. Mal erzählen die Eltern, mal die Freunde und Geschwister, mal die Hauptfiguren selbst. So entsteht das dichte Porträt einer Stadt und ihrer Bewohner, die man als Leser am Ende des Buches nur ungern ihrem Schicksal überlässt.

Manchmal wirkt der Roman des 38-Jährigen etwas zu konstruiert mit seinen genauen Ortsbeschreibungen und Stadtplänen, so als habe Adam Langer die Ratschläge eines "Creative Writing"-Dozenten zu intensiv beherzigt.

Für Nikolaus Hansen, den Verleger des Marebuchverlags, sind diese Schreibkurse jedoch eine große Chance für junge Autoren, weil sie das Erzählen lehren: "Die literarische Praxis wird durch Creative Writing befördert", sagt er. "Es ist kein Zufall, dass so professionelle und gut erzählte Literatur aus Amerika kommt. Bei uns in Deutschland tut man so, als müsse alles aus der Intuition kommen."

Nicht jeder, der einen solchen Kurs im Schreiben absolviert hat, ist schon ein Schriftsteller. Doch vielleicht macht die Sicherheit im Umgang mit verschiedenen Schreibtechniken die Autoren mutiger, sich aus dem eigenen engen Umfeld zu entfernen und neue Gedankenwelten zu entdecken.

Seite 1:

Jung, amerikanisch, erfolgreich

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%