Van Ham
„Dritte Bewegung“ im Schlafzimmer

Ein Amerikaner macht das Rennen bei Van Ham. Rudolf Bauer sorgt in der Auktion für Moderne für einen Rekordpreis. Eine breite Bieterschar sorgt für flüssigen Absatz der zeitgenössischen Kunst. Nur von mittelmäßigen und zu teuer geschätzten Bildern wollen die Sammler nichts wissen.
  • 0

KölnVan Ham setzt mit seinen Auktionen für Moderne und zeitgenössische Kunst wieder mehr um als im letzten Jahr. Doch von mittelmäßigen und zu teuer geschätzten Bildern wollen die Sammler nichts wissen.

Bis 2010 wurden Bilder Rudolf Bauers hauptsächlich in New York gehandelt, wohin er 1939 geflohen war. Jetzt ist Deutschland, genauer das Auktionshaus Van Ham in Köln, der führende Marktplatz. Allein vier der Top Ten-Preise wurden hier seit Juni 2010 erzielt. Bei den Auktionen Moderne und Zeitgenössische Kunst am 31. Mai fiel der jüngste Rekord. 500.000 Euro ohne Aufgeld genehmigte ein österreichischer Sammler gegen amerikanische Konkurrenz für das Gemälde „Third Movement“ aus der „Triptych Symphony“ (Taxe 250.000 Euro), die im Schlafzimmer des Hauses von Solomon R. und Irene Guggenheim auf Long Island hing. Entsprechend zufrieden zeigt sich Auktionator Markus Eisenbeis: „Wir sind schon ein bisschen stolz darauf, dass wir diesen eigentlich amerikanischen Künstler so gut verkaufen.“

Van Ham hatte nicht nur mit Rudolf Bauer Erfolg. Auch George Grosz’ 1937 als „entartet“ aus dem Stettiner Museum ausgeschiedenes Aquarell „Der Damenfrisiersalon“ reüssierte. Ein rheinischer Sammler im Saal stach mit einem Gebot über 155.000 Euro (80.000) den internationalen Handel aus. Auch deutlich weniger attraktive Werke der Klassischen Moderne wechselten für solide Preise den Besitzer, etwa Raoul Dufys untypisches „Jardin a Falaise“, das für die vergleichsweise hohe Taxe von 50.000 Euro sogar noch in den englischen Handel ging. Das gilt ebenso für eine minder attraktive Pastellskizze Max Liebermanns vom Wannseegarten mit gleicher Taxe und Ergebnis.

Zu hoch Geschätztes blieb liegen

Bei einer losbezogenen Zuschlagquote von 58 Prozent blieb hauptsächlich Mittelmäßiges oder zu ambitioniert Geschätztes liegen. Dazu zählten das Aquarell „Rote Pfingstrosen“ von Emil Nolde, das mit einer Einstiegstaxe vom 80.000 Euro offensichtlich zu teuer war sowie eine nicht repräsentative Ansicht von Unter den Linden Lesser Urys zum gleichen Preis. Rätselhaft ist hingegen der Rückgang von Georg Kolbes Bronze „Allegra“ in einem Lebzeitguss (80.000): „Da stimmte eigentlich alles“, wundert sich Eisenbeis.

Breites Interesse für zeitgenössische Kunst

Weniger hochpreisig, doch über das gesamte Angebot beständig, fielen die Zuschläge in der Abteilung Zeitgenossen aus. Satte 75 Prozent der Lose wurden abgesetzt. Das teuerste Werk wurde hier eine frühes ungegenständliches Gemälde von Friedensreich Hundertwasser aus dem Jahr 1958, das für 120.000 Euro netto (60.000) nach Monaco ging. Marktgerechte 110.000 Euro (100.000) bewilligte ein Kölner Sammler für ein großformatiges Interferenzbild von Sigmar Polke.

Konrad Lueg holt auf

Die Verdreifachung des bisherigen Auktionsrekords für ein Werk Konrad Luegs verantwortete ein amerikanischer Sammler, der „Vier Tücher“ mit dem Einsatz von 63.000 Euro (10.000) eroberte. „So langsam realisieren die Leute, dass der frühe Lueg in seiner Zeit in eine Reihe mit Richter und Polke gehörte“, erklärt Eisenbeis das Bieterinteresse. Im Anschluss nahm derselbe Käufer gleich noch Markus Lüpertz' „Dachpfanne“ für 50.000 Euro (40.000) mit, ein frühes „dithyrambisches“ Bild. Deutscher Handel setzte mit 62.000 Euro (12.000) eine ungewöhnlich hohe Summe für das kleinformatige „Übermalte Zentralgestalt“ aus dem Jahr 1965 ein. Mit 50.000 Euro musste ein Münchener Sammler einen Preis auf Galerieniveau gegen mehrere Konkurrenten aufbieten, als er den Zuschlag für ein kleines Aquarell von Joseph Beuys mit „Schädel, Urschlitten und Bewusstseinzeichen“ erhielt, das kurz zuvor noch im Düsseldorfer K20 zu sehen war.

Lediglich eine Adler-Skulptur von Georg Baselitz in der Art einer übergroßen Wetterfahne blieb unter den Toplosen bei einer unteren Taxe von 150.000 Euro ohne ausreichendes Gebot. Die 10er-Edition stammt aus dem Jahr 2009 und wurde vom Künstler 2010 zertifiziert. Das war dann vielleicht doch etwas zu frisch für den deutschen Sekundärmarkt.

Rund 4 Millionen Euro ohne Aufgeld wurden mit beiden Abteilungen umgesetzt, rund 10 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Das erste Halbjahr 2011 ist damit jetzt schon das erfolgreichste des Hauses, selbst ohne die noch ausstehende Fotografie-Auktion.

 

Kommentare zu " Van Ham: „Dritte Bewegung“ im Schlafzimmer"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%