Van Ham
Erstklassige Kunst bleibt gefragt

In einem zurückhaltenden Marktumfeld braucht es für gute Preise ein spannendes Angebot. Das lieferte das Auktionshaus Van Ham etwa mit Werken von Uecker und Bauer.
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MünchenWenn es um den deutschen Künstler Rudolf Bauer geht, ist das Kölner Auktionshaus Van Ham so etwas wie De Beers für Diamanten: Marktführ und eine sichere Quelle. Zwar konnte der Auktionsrekord von 610 000 Euro, den Van Ham erst im Mai dieses Jahres mit einem Gemälde des Künstlers aus der weltberühmten "Sturm"-Galerie erzielte, nicht wiederholt werden. Aber das abstrakte Gemälde "Tempo", das in Bauers revolutionärster Phase im Jahr 1918 entstand, wurde mit einem Erlös von 285 900 Euro brutto das teuerste Gemälde der Dezember-Auktion mit Klassischer Moderne und zeitgenössischer Kunst. Die in den Farben Blau, Rot und Schwarz gehaltene Komposition stammte wie das Rekordgemälde aus der legendären Sammlung von Solomon R. Guggenheim. Wohl ein Grund mehr, dass auch Sammler aus den USA bis zum Schluss mitgeboten haben. Durchgesetzt hat sich aber ein Sammler aus dem Rheinland.

Der Gesamtumsatz der Auktion beträgt 4,5 Millionen Euro. Bei genauerer Betrachtung der Resultate aber zeigte sich auch hier, dass hohe Investitionsbereitschaft vor allem an erstklassige Werke gekoppelt ist. Etliche Kunstwerke weckten kein Interesse oder wurden nur unter Vorbehalt zugeschlagen: Ferdinand Hodlers Porträt seiner einstigen Gattin Bertha Stucki von 1888/1890 (Taxe 200 000 bis 250 000), Lesser Urys "Kaffeehausszene" (Taxe 100 000 bis 140 000) aus der Pariser Zeit um 1928 und Karl Hofers "Stilleben mit Krug und Schachtel" (Taxe 200 000 bis 250 000 Euro). "Diese Werke", so kommentierte Van-Ham-Geschäftsführer Markus Eisenbeis gegenüber dem Handelsblatt, "entsprechen wohl nicht hundert Prozent den gängigen Vorstellungen vom Werk eines bestimmten Künstlers."

Doch wo in Zukunft Wertsteigerung vermutet wird, ist der Einsatz kühner. Wie etwa bei Künstlern der Klassischen Moderne aus der zweiten Reihe, etwa bei dem Kölner Avantgardisten Heinrich Hoerle. 53 750 Euro musste der griechische Reeder George Economou einsetzen, um in den Besitz des auf 25 000 Euro geschätzten, konstruktivistisch-gegenständlichen "Stillleben mit Krug und Birne" von 1929 zu kommen. So hohe Erwartungen wie an manche Werke der Klassischen Moderne knüpfte man an das Angebot der zeitgenössischen Kunst nicht. Es spricht für den Realitätssinn des Hauses, hier das meiste mit Taxen zwischen 10 000 und 20 000 Euro bewertet zu haben.

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Erstklassige Kunst bleibt gefragt

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Großes Interesse an kinetisches Kunst

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