Van Ham
Spitzenstücke gesucht

Die Versteigerung Alter Kunst wurde bei Van Ham in Köln wählerisch beboten. Nur um die attraktiven Werke entspannten sich dann allerdings teils hartnäckige Bietwettbewerbe. Der Preis für ein Werk von Johann Moritz Rugendas übertraf den Schätzwerk um fast das Zehnfache.
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KÖLN. Sehr verhalten wurden Alte Meister und Kunst des 19. Jahrhunderts bei Van Ham in Köln vom 18. bis 20. November aufgenommen. „Wir waren überrascht, dass so mancher kleine Schatz unentdeckt blieb“, kommentierte der persönlich haftende Gesellschafter Markus Eisenbeis das Gesamtergebnis von 4,3 Mio. Euro inklusive Aufgeld diplomatisch.

Nur um die attraktiven Werke entspannten sich dann allerdings teils hartnäckige Bietwettbewerbe. Bei den Spitzenlosen sicherten sich deutsche Privatsammler den Zuschlag. So setzte sich ein rheinischer Sammler mit dem Einsatz von 200 000 Euro inklusive Aufgeld (Taxe 70 000 bis 80 000 Euro) gegen das Wildenstein-Institut durch, als es um das leicht erotische Mädchenporträt „Die Träumende“ des französischen Rokoko-Malers Jean-Baptiste Greuze ging.

Ein Ehepaar im Saal sicherte sich mit einem Gebot über 156 250 Euro brutto gegen einen Russen das großformatige Wimmelbild „Der Garten Eden“ (95 000 bis 120 000 Euro). Das Gemälde war – noch in unrestauriertem Zustand – 2008 bei Christie’s mit einer Taxe von 70 000 Euro durchgefallen.

Mit Spannung erwartet wurde der Aufruf eines anonymen deutschen Gemäldes des 18. Jahrhunderts, das einen Jagdfalken mit Haube zeigt. Schon im Vorfeld war klar, dass das attraktive Motiv internationales Interesse auf sich ziehen würde. Die Taxe von 10 000 bis 15 000 Euro tat ihr Übriges. Das siegreiche Gebot eines deutschen Sammlers in Höhe von 62 500 Euro lag daher am unteren Ende der erwarteten Überraschung.

Gänzlich unerwartet war hingegen der Preis von 75 000 Euro einer Ansicht der „Bucht von Valparaiso“ von Johann Moritz Rugendas, die auf lediglich 8 000 bis 9 000 Euro geschätzt war. Das seltene Motiv ging allerdings nicht an einen Südamerikaner, sondern an einen Chinesen.

Dem Kölner Dom ist der zweithöchste je bewilligte Zuschlag für ein Gemälde von Fritz von Wille zu verdanken: 42 500 Euro brachte sein „Blick vom Deutzer Ufer über den Rhein“ nach einer Taxe von 10 000 bis 15 000 Euro. Der Auktionsrekord bemisst sich immer noch in DM, erzielt mit 100 000 DM an gleicher Stelle vor 20 Jahren.

Ähnlich selektiv wurde das Kunsthandwerk beboten. Ein Rokoko-Schreibschrank, der nach Aussage eines Händlers „nach Spindler riecht“, schaffte es von 10 000 Euro auf 23 000 Euro. Ein Barock-Tisch mit passenden Gueridons erzielte 51 250 Euro (19 000). Eine silberne Kasserole punktete mit ihrer Provenienz aus dem Service der Familie Landsberg-Velen und spielte 27 500 Euro (25 000) ein.

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