Van Ham
Uhrensammlung komplett "vertickt"

Uhrenliebhaber sind in Deutschland nicht ausgestorben. Ein wohlfeiles Angebot schlagen sie nicht aus wie die Versteigerung der Sammlung Schaefer bei Van Ham gezeigt hat. Doch bei teuren Stücken passen die meisten.
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KölnWer mit den Preisen für antike Uhren vertraut ist, die im Handel verlangt werden, für den musste das sehr günstig geschätzte Angebot der Van Ham-Auktion ein Fest sein. Privatsammler und Händler fanden sich am 17. Mai 2014 deshalb in großer Zahl ein, um beim Bietkampf um die Sammlung des kölnischen Architekten Hanns Schaefer dabei zu sein. Am Ende waren alle bedient. Die Käufer, weil sie günstig zum Zuge kamen, auch wenn die Schätzpreise oft überschritten wurden, und Auktionator Markus Eisenbeis, weil er alle 45 Lose verkaufen und stolz einen sogenannten „White Glove Sale“ verkünden konnte.

Unter den auch aus den Nachbarländern engagierten Bietern überwogen nach Angaben von Van Ham die deutschen Sammler. Die besten Preise bewilligte jedoch ein Niederländer für zwei Pariser Tischuhren vom Typ Religieuse Louis XIV: 7.040 Euro inklusive Aufgeld für ein von Isaac Thuret gefertigtes Exemplar (Taxe 2.000 bis 3.000 Euro) und 6.400 Euro für ein größeres, von Goret signiertes Stück mit reichlich Goldapplikationen, dessen Schätzpreis 2.000 bis 4.000 Euro betrug.

Ein besseres Ergebnis hätte die Georgian Bracket Clock von William Wilson verdient. Sie wurde zwei Mal zugeschlagen, zuerst für 3.800 Euro und etwas später dann für 2.800 Euro einem Moskauer Privatsammler, der nach Angaben Van Hams wegen einer Verwechslung der Telefonbieter erst verspätet angerufen werden konnte. Der Schätzpreis für die zwischen 1760 und 1780 gefertigte Tischuhr lag bei nur 1.500 bis 1,800 Euro. 4.000 bis 5.000 Euro hätte sie Auffassung eines Fachmanns wohl bringen können.

Bitterer Beigeschmack

Für den noch vorhandenen Spitzenhandel, der in Deutschland an den Fingern einer teilamputierten Hand abzuzählen ist und sich seit mehr als zehn Jahren mit einem Preisverfall ähnlich wie bei antiken Möbeln herumschlägt, hat das Ergebnis für die Kollektion Schaefer einen durchaus bitteren Beigeschmack. Denn es lehrt einerseits, dass der Uhrensammler in Deutschland keinesfalls ausgestorben ist, dass er aber andererseits nicht gewillt ist, die vom spezialisierten Händler angebotene Spitzenware zum entsprechenden Preis abzunehmen.

Indirekt bestätigt dies auch das Ergebnis für die außerhalb der Schaefer-Offerte angebotenen hochpreisigen Uhren, die fast alle zurückgingen, sogar der von Uhrenspezialist Michael Nolte als „toll“ bezeichnete Lütticher Regulateur Directoire aus der Werkstatt von Matheur-Joseph Boty-Lefebvre (Taxe 8.000 bis 10.000 Euro). Eine Ausnahme bildet der Zuschlag für eine auf drei spitz zulaufenden Chrom-Füßen verankerte Tischuhr von Jaeger LeCoultre. Der in ausgezeichnetem Zustand befindliche, erst im Jahr 2000 entstandene Zeitmesser wurde bei 7.000 Euro einer nordrhein-westfälischen Sammlung zugeschlagen. Das macht mit dem moderat, um 3 Prozent erhöhten Aufgeld fast 9.000 Euro. Geschätzt war das ungewöhnlich gestaltete Gerät auf 2.000 bis 4.000 Euro.

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