Verkaufsstart des Romans „Grey“
„Fifty Shades of Grey“, aus Sicht des Schlägers

„Frische Perspektive“ auf ein Thema, was Millionen Leser fesselt: E.L. James' „Grey“ ist auf dem Markt und erzählt die Sado-Maso-Romanze aus Sicht des Peitschenschwingers. Der entpuppt sich jedoch als banaler Charakter.
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München/London„Dieses Buch ist den Lesern gewidmet, die darum gebeten... und gebeten ... und gebeten ... und gebeten haben“, steht auf einer der ersten Seiten. Und jetzt haben sie den Salat: Die Autorin E.L. James hat ihren Bestseller „Fifty Shades of Grey“ noch einmal geschrieben - dieses Mal aus Sicht des dominanten Millionärs Christian Grey. Am Donnerstag kam die englische Version mit dem schlichten Titel „Grey“ auf den Markt.

Darin will die britische Schriftstellerin die Frage beantworten, wie er die Beziehung zu der devoten und zunächst jungfräulichen Studentin Anastasia Steele empfindet, was er dabei fühlt, wenn er ihr den Hintern versohlt. „In Christians eigenen Worten, durch seine Gedanken, Betrachtungen und Träume bietet E.L. James eine frische Perspektive auf die Liebesgeschichte, die Millionen Leser auf der ganzen Welt verzaubert hat“, heißt es im Klappentext.

„Christian ist ein vielschichtiger Charakter, und die Leser waren schon immer fasziniert von seinen Wünschen, seinem Antrieb und seiner schwierigen Vergangenheit“, schrieb James auf Instagram, als sie ihr neues Buch ankündigte. Außerdem wisse jeder, der einmal eine Beziehung gehabt habe, dass jede Geschichte zwei Seiten haben.

Die sieht dann bei Christian Grey beispielsweise so aus: „Romantik mache ich nicht, Schätzchen“, „Ich mag meine Frauen in Röcken - ich mag sie zugänglich“, „Blümchensex? Ob ich das hinkriege?“, „Sie hat perfekte Brüste“ oder: „Sie hat wahrscheinlich noch nie einen erigierten Penis gesehen.“

Wenn Christian nicht daran denkt, wann und wie er mit der süßen Anastasia den Geschlechtsakt vollziehen kann, schlägt er sich bei seiner Arbeit (er ist schließlich Multimillionär) mit Senatoren und NGO's rum - was reiche Unternehmer eben so machen. In seiner Freizeit trinkt er Bier mit seinem Bruder Elliot oder holt seine Schwester vom Flughafen ab. So weit, so banal.

Wer gehofft hatte, wirklich etwas über den Mann zu erfahren, der Anastasia in seinem Sado-Maso-Spielzimmer von Höhepunkt zu Höhepunkt befördert, der wird über weite Strecken enttäuscht. Zwar bekommt die geneigte Leserin nun mit, welche Alpträume den Millionär mit der traumatischen, von Gewalt geprägten Kindheit quälen, dass er gerne am Klavier sitzt und Bach spielt, dass seine Ex-Geliebte Elena ihm immer noch SMS schreibt, seine andere Ex-Geliebte Leila ziemlich durch den Wind ist und die Anrufe seiner Adoptivmutter ihn manchmal nerven. Bevor er zum Treffen mit Anastasia aufbricht, packt er zwei Kondome ein. Das, was die Autorin über Grey enthüllt, ist also recht dürftig.

Seite 1:

„Fifty Shades of Grey“, aus Sicht des Schlägers

Seite 2:

Er denkt „whoa“, sie denkt „whoa“

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