Versteigerung
Picasso-Geliebte bringt „nur“ 22,5 Millionen Euro

Das Ölbildnis seiner Geliebten erzielte 22,5 Millionen Dollar – ein Spottpreis für einen echten Picasso. Am Abend steht beim Erzrivalen Sotheby's die Versteigerung von Impressionisten und Modernen an.
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Mit dem Verkaufspreis von 27 Millionen Dollar (19,5 Millionen Euro) wurde das Seerosenbild von Claude Monet zu Christie‘s Starlos der Abendversteigerung am Dienstag von Impressionisten und Moderner Kunst in New York. Das 1907 gemalte Bild war zuletzt im Jahr 1926 öffentlich ausgestellt worden.

Bereits 1930 hatte es die 2011 verstorbene Millionenerbin Huguette Clark gekauft. Sie war die Tochter des Gründers von Las Vegas, William A. Clark. Geschätzt hatte Christie’s das beliebte Wasser-und-Bumen-Motiv aus dem Spätwerk des Künstlers auf 25 bis 35 Millionen Dollar.

Der aus Asien stammende Käufer hat es also zu einem moderaten Preis in der Nähe der unteren Schätzung erwerben können. Experten machen den Zustand des Gemäldes dafür verantwortlich. Dieser Preis ist weit weg von den Höchstgeboten für makellose Werke des Hauptmeisters des französischen Impressionismus. 80 Millionen Dollar hatte Christie’s 2008 für ein Seerosenbild erzielen können, 43 Millionen für eine weitere Motivvariante im Jahr 2012.

Auch ein anderes Toplos kam nicht über die untere Schätzung hinaus. Das kubistisch verzerrte Bildnis von Picassos Geliebter Dora Maar, das der Spanier im besetzten Paris 1942 malte, sah nur ein einziges Gebot. Für „nur“ 22,5 Millionen Dollar (16,2 Millionen Euro) konnte es der New Yorker Galerist Paul Gray ersteigern.

Die absoluten Höchstpreise für Picasso liegen bei 106 Millionen Dollar im Auktionshaus Christie’s und bei kolportierten 155 Millionen Dollar für den „Traum“. Dieses heitere Gemälde kaufte Steven Cohen 2013 dem Casino-Mogul Steve Wynn in einem Privatgeschäft ab.

Picassos trauriges Bild von Dora Maar stammte wie Wassily Kandinskys farbkräftige „Strandszene“ von 1909 aus der Sammlung des Krefelder Unternehmers Viktor Langen. Seine gleichfalls leidenschaftlich sammelnde Frau Marianne hatte kurz vor ihrem Tod noch ein spektakuläres Museum auf der ehemaligen Raketenstation in Neuss bauen lassen.

Insgesamt versteigerte Christie's am Dienstag 47 Kunstwerke und erzielte damit Einnahmen in Höhe von 285 Millionen Dollar (205 Millionen Euro). Die Gesamtschätzung lag zwischen 243,5 und 358,9 Millionen Dollar. 18 Werke wurden für mehr als fünf Millionen Dollar versteigert. Am Abend steht beim Erzrivalen Sotheby's die Versteigerung von Impressionisten und Modernen an. Sie soll geschätzt 322 Millionen Dollar bringen. Mal sehen, ob die Kunden dort auch so wählerisch sind.

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