Verurteilter Kunstberater
Achenbachs Lagerverkauf läuft wie geschnitten Brot

Tag 1 der viertägigen „Achenbach Art Auction“. Bis Freitag kommen in Düsseldorf rund 1400 Lose aus dem Lagerbestand des ehemaligen Kunstberaters zum Aufruf. Und fast keins von Achenbachs Kunstwerken bleibt unverkauft.
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DüsseldorfDie Sonne scheint freundlich an diesem Mittwochvormittag, als der Lagerbestand des noch nicht rechtskräftig verurteilten Kunstberaters Helge Achenbach im Düsseldorfer Vorort Heerdt unter den Hammer kommt. Der Taxifahrer kennt den Weg. Einige Male chauffierte er den stets freundlichen Kunstunternehmer in früheren Zeiten zu seinem Kunstlager. Nun bedauert er ihn ein wenig: „Der arme Kerl! Wie konnte das bloß passieren“, fragt er. Aber die Albrechts wären auf der anderen Seite doch echt blöd gewesen. „Sich so über den Tisch ziehen zu lassen!“ Wie könne man nur so naiv sein?

Der Ort des Geschehens, ein weitläufiges Areal eingeschossiger Hallen und Büros, liegt in einem Gewerbegebiet unauffällig hinter Backsteinfassaden und Mauern. Auf dem geräumigen Parkplatz steht bereits eine ganze Armada gepflegter Karossen mit Kennzeichen quer durch die Republik. Vor der Auktionshalle, dem ehemaligen Atelier des Fotokünstlers Thomas Ruff, öffnen Stände für Kaffee und warme Mahlzeiten.

In der großen, lichten Halle herrscht gespannte Unruhe. Rund 350 Menschen sind gekommen, viele aus dem Köln-Düsseldorfer Raum und aus der einschlägigen Kunstszene, um beim Ausverkauf dabei zu sein. Nicht alle nehmen Platz, weshalb ein Teil der Stühle leer bleibt. Drei Tage hat das in Köln ansässige Auktionshaus Van Ham für die Versteigerung der großen Masse günstig eingeschätzter Lose angesetzt (17. bis 19. Juni 2015). 120 Glanzstücke folgen am Samstagnachmittag in der Kölner Zentrale und Sotheby’s streut seine 70 Lose auf diverse Auktionen, schwerpunktmäßig in London (ab 2. Juli).

Von insgesamt 1400 Katalognummern sollen an diesem ersten Auktionstag 461 Lose aufgerufen werden. Doch gleich zu Beginn gibt Van-Ham-Chef Markus Eisenbeis bekannt, dass 23 zurückgezogen wurden, darunter zwei unvollständige Mappen mit Farblithographien von Joseph Beuys, fünf Skulpturen von Ernst Hesse und die gesamte Tranche mit Collagen von Marcel Dzama (2013) zum Schätzwert von jeweils 1.500 bis 2.000 Euro. 5.000 Dollar kosteten die Arbeiten bei dem New Yorker Galeristen David Zwirner, wo sie einst herkamen. 

Insolvenzverwalter Marc d’Avoine geht davon aus, dass wohl rund 100 Lose insgesamt zurückgezogen werden, weil die Eigentumsverhältnisse in der kurzen, für Recherchen zur Verfügung stehenden Zeit nicht endgültig geklärt werden konnten. Das sei aber wenig im Verhältnis zur Gesamtzahl der Lose. Eisenbeis erläutert seinem teilweise auktionsunerfahrenen Publikum die Schwierigkeiten: Zehn Jahre nur müssten Unterlagen für die Steuer aufbewahrt werden, und die Dokumente des letzten Jahrzehnts hätten sie nicht einsehen können, sie befänden sich bei der Steuerbehörde.

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Achenbachs Lagerverkauf läuft wie geschnitten Brot

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Heftiger Bieterkampf gleich zu Beginn

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Affen sorgen für Andrang

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