Videobotschaft zur Verleihung des Literaturnobelpreises
Pinter attackiert Bush und Blair

Der diesjährige Würdenträger Harold Pinter konnte seine Literaturnobelpreis-Rede zwar nicht live halten, deshalb war sie aber nicht weniger politisch prägnant. Mit deutlichen Worten attackierte er US-Präsident George W. Bush und den britischen Premierminister Tony Blair.

HB STOCKHOLM. Der 75-Jährige hat den USA systematische Verbrechen mit hunderttausenden Toten und der brutalen Unterjochung zahlreicher Staaten vorgeworfen. Der krebskranke britische Dramatiker sagte drei Tage vor der Verleihung der Nobelpreise in Stockholm in einer auf Video abgespielten Rede über die Politik Washingtons nach dem Zweiten Weltkrieg: „Die Verbrechen der USA waren systematisch, konstant, infam, unbarmherzig.“

Wegen des Irak-Kriegs hat Pinter den USA und Großbritannien Staatsterrorismus vorgeworfen. George W. Bush und Tony Blair sollten vor den Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag gestellt werden, sagte Pinter in einer am Mittwoch in Stockholm gezeigten Videobotschaft für die bevorstehende Nobelpreisverleihung. Pinter wird an der Zeremonie am Samstag nicht persönlich teilnehmen und hat deshalb seine Rede vorher aufgenommen.

„Die Invasion im Irak war das Werk von Banditen, ein eklatanter Akt von Staatsterrorismus, der absolute Verachtung für das Konzept des Völkerrechts demonstriert hat“, sagte der britische Schriftsteller. Bush und Blair seien für den Tod von mehreren zehntausend Menschen verantwortlich. „Wie viele Menschen muss man umbringen, bevor man qualifiziert ist, als Massenmörder und Kriegsverbrecher bezeichnet zu werden? Hunderttausend?“ fragte Pinter, der für provokative Äußerungen zum Zeitgeschehen bekannt ist.

Pinter sagte in seiner einstündigen Rede, die USA hätten zahlreiche Länder durch eine Strategie der „asymmetrischen Kriegführung“ („Low Intensity Conflict“) unterjocht. Auch dabei seien tausende von Menschen gestorben, aber nicht auf einen Schlag wie mit einer Bombe. „Es bedeutet, dass man das Herz des Landes infiziert, dass man eine bösartige Wucherung in Gang setzt und zuschaut wie der Faulbrand erblüht“, meinte Pinter.

Den USA warf er darüber hinaus vor, seit dem Zweiten Weltkrieg jede rechtsgerichtete Militärdiktatur in der Welt unterstützt zu haben. Dies sei jedoch stets unter dem Vorwand geschehen, man wolle das Wohl der Menschheit fördern. Dem irakischen Volk seien Folter, Streubomben, Elend, Demütigung und Tod gebracht worden, wenngleich behauptet werde, man bringe dem Nahen und Mittleren Osten Freiheit und Demokratie. Pinter sprach von einem „brillanten, fast schon geistreichen und höchst erfolgreichen Akt der Massenhypnose“.

Dem mit Theaterstücken wie „Der Hausmeister“ (1960) berühmt gewordenen Dramatiker war der mit zehn Millionen Kronen (1,1 Millionen Euro) dotierte Nobelpreis im Oktober zuerkannt worden. Die Schwedische Akademie begründete ihre Entscheidung damit, dass Pinter „in seinen Dramen den Abgrund unter dem alltäglichen Geschwätz freigelegt hat und in den geschlossenen Raum der Unterdrückung eingebrochen ist“. Der 75-Jährige, der an Kehlkopfkrebs leidet und deshalb mit heiserer Stimme sprach, kann aus Gesundheitsgründen nicht nach Stockholm kommen. Den Nobelpreis wird deshalb sein Verleger Stephen Page übernehmen.

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