Viel los
Mitten im Sommerloch

Einst fürchteten Medien die nachrichtenarmen Monate wie der Teufel das Weihwasser. Heute sind sie die hohe Zeit der Event-Manager und Terminsekretäre. Egal welche Kombinationen mit der Vorsilbe „Sommer-“ zu bilden sind, es gibt Fachleute, die daraus eine Veranstaltung zimmern. Da müssen wir uns fast vor einem Winterloch fürchten.

Streng genommen genügen ein paar 1-A-Fakten, um das Wesentliche zum Sommerloch zu sagen.

  1. Es existiert.

  2. Wer es betreten will, sollte sein Navigationsgerät auf 49° 53’ N, 7° 46’ O ausrichten.

  3. Sommerloch ist von 430 Menschen bewohnt.

  4. Sommerlochs Kern ist fast quadratisch und wird von Weinbergstraße, Hauptstraße, Zum Sportfeld und Hauptstraße umgeben.

  5. Sommerloch ist eine Gemeinde im rheinland-pfälzischen Landkreis Bad Kreuznach.

  6. Sommerloch leitet sich von „Südliche Feuchtmulde“ ab und hat mit Nachrichtenarmut streng genommen nur insoweit zu tun, als in „Südlichen Feuchtmulden“ meist nicht viel los ist.

So viel zu den unumstößlichen Fakten, zu denen vielleicht noch gehört, dass am Rande Sommerlochs ein ordentlicher Nahewein angebaut wird und dass die 1. Mannschaft der örtlichen SG Braunweiler-Sommerloch jüngst den direkten Aufstieg in die Fußballbezirksklasse Nahe Ost geschafft hat.

Die meisten anderen Behauptungen über das Sommerloch sind ungefähr so spekulativ beziehungsweise bedeutsam wie die sich periodisch aus dem Loch krümmende Nessie oder die Frage, ob der Hitlerjunge Dieter Hildebrandt ein NSDAP-Parteimitglied war. Als Teichoskopie (Mauerschau) überliefert die Theaterwissenschaft derlei „Nachrichten“gebung, als Geschichten, die auf der Bühne nicht darstellbar sind und deshalb von einem Berichterstatter erzählt werden, so was wie Hörensagen also, vorzugsweise von einer erhöhten Warte aus.

Dass wir Theorien bzw. Phantasien über das Sommerloch als solches begraben müssen, hat mit dem Bedeutungsverlust klassischen Politikbetriebs zu tun, also mit dem rheinischen Bonn. Wenn dort die „Parlamentarische Sommerpause“ ausbrach, legte sich ein Nichts aus Nachrichten wie Mehltau übers Land, das oft aus bedeutungsfreien Gehaltlosigkeiten bestand, aber gedruckt oder ausgestrahlt wurde, auch wenn es den partiellen Wahnsinnsattacken eines fünftklassigen Hinterbänklers entsprang.

Selbst wenn der schwieg, hatten wir immer noch den österreichischen Wolfgangsee und H. Kohl, der dort sommers baden ging, unter Anteilnahme der Sommerreporter.

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