Viennafair
Wiener Balance

Die Viennafair-Messe für zeitgenössische Kunst balanciert unter neuer Führung zwischen Bewährtem und Neuem. Der Fokus auf Zentral-, Ost- und Südeuropa blieb als Alleinstellungsmerkmal bestehen.
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Wien,

Kunst sei die neue Gebrauchsware für die Mittelschicht, der Kunstkauf folglich nicht mehr eine elitäre Attitüde, sondern Massenkonsum. Mit derlei markigen Sprüchen ließ Sergej Skaterschikow im Frühjahr aufhorchen. Anfang des Jahres hatte der russische Investor, der dieser Tage auch mit einer Artnet-Übernahme liebäugelt, mit seiner „Next Edition Partners GmbH“ vom bisherigen Veranstalter Reed Exhibitions den Mehrheitsanteil (70 %) der „Viennafair“ übernommen, 30 Prozent sicherte sich das private Sammlerkonsortium VF Beteiligungs GK.

Im April traten dann die seit Herbst 2010 amtierenden künstlerischen Leiter Hedwig Saxenhuber und Georg Schöllhammer zurück, knapp zwei Wochen später standen in dieser Funktion Christina Steinbrecher und Vita Zaman Spalier. Letztere repräsentieren das neue Gesicht der seit 2005 stattfindenden Messe für zeitgenössische Kunst: Als hüpfende Elfe und posierender Vamp schmücken sie derzeit Litfaßsäulen und Plakatwände in Wien. Auf Anfrage erklärte man das auffallende Sujet als provokative Methode, junge Menschen anzusprechen. Ob derlei die potenzielle Kaufklientel zum Besuch einer Kunstmesse motiviert ist fraglich, sucht international jedenfalls seinen Vergleich.

Derweilen bezogen 122 Teilnehmer aus 26 Ländern jetzt ihr temporäres Quartier in der Halle A der Messe Wien, wo bis zum 23. September nun die achte Auflage der Viennafair („The New Contemporary“) anberaumt ist. Zeitgleich zur Art Moskow übrigens, eine Synchronität, die für die Macher der 18. Kunstmesse in der Hauptstadt der russischen Föderation zum Ärgernis wurde. Kein Wunder, teilt man sich doch eigentlich einen nennenswerten Teil der Zielgruppe, konkret eben genau jene russische Klientel, die kleinere oder größere Vermögen beim Kunst-Shoppen zu verprassen bereit ist. Nach Wien locken nicht nur etwa 5000 verschickte VIP-Packages, sondern auch ein eigens ertüfteltes „Collectors Programm“, in der die Messe im Vergleich zu anderen Hot-Spots der Kulturszene bisher eher zweitrangig blieb.

Mit 39 Ausstellern stellt Österreich die stärkste Nation, gefolgt von Deutschland mit 18 Galerien, je acht stellen Russland und die Türkei („Diyalog“, in Kooperation mit dem internationalen Öl- und Gasunternehmen OMV), der Rest ist auf Mitteleuropa und CEE verteilt, dazu gesellen sich punktuell Vertreter aus dem Iran, Korea, den Vereinigten Emiraten und den USA. Der bewährte Fokus auf die Schwerpunktregion Zentral-, Ost- und Südeuropa blieb bestehen (47 Galerien), wiewohl er aus dem Messetitel verschwand. Wohltuend geriet in diesem Zusammenhang die Integration dieser Teilnehmer. An den Hallenrand gedrängte Minikojen sind endlich Geschichte, der luftigen neuen Messearchitektur gehört die Zukunft.

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