Vier Unternehmern und ein Hotelier sind eine „Premium-Partnerschaft“ für Nobelmarken eingegangen.
Vom Glücksgefühl in der glitzernden High-Tech-Küche

Wenn es um Kratzer geht, ist Marc-Oliver Schneider kompromisslos. Zweite Wahl kommt dem Geschäftsführer des feinen Küchengeräte-Herstellers Gaggenau nicht in den Handel. "Früher hatten wir den Adel als Kundschaft, heute adelt Kennerschaft unsere Kunden - und Adel verpflichtet", stellt Christian Hirsch, Chef der 250 Jahre alten Porzellanmanufaktur Fürstenberg, fest.

HB KÖLN. Premiumprodukte leben von Qualität ohne Wenn und Aber. Jedoch: "Qualität allein weckt beim Kunden keine Leidenschaft mehr", weiß Elmar Duffner, Geschäftsführer des noblen Küchenherstellers Poggenpohl. So sehen das auch zwei weitere Top-Marken um erlesene Tafelfreuden - Zwiesel Kristallglas und die kleine Luxuskette der Althoff- Hotels.

Um die zahlungskräftige, aber weithin werberesistente Kundschaft der Gourmets zu gewinnen, die selber gern zum Kochlöffel greifen, sind die vier Unternehmen und Hotelier Thomas Althoff eine "Premium-Partnerschaft" eingegangen. Heinz-Georg Leinen, Marketingchef des bayerischen Glasherstellers, der sich als "Weltmarktführer in der Top-Gastronomie" sieht, umreißt das Ziel: "Den Kunden über Erlebnisse ansprechen".

Dieses noch schlichte Marketing-Einmaleins veredeln die Premium-Partner an angemessen erstklassiger Adresse: Schlosshotel Lerbach bei Köln - das Althoff-Haus, in dem der Sternekoch Dieter Müller wirkt. Der vielfach ausgezeichnete Küchenchef, dem Michelin die Rarität dreier Sterne seit 1997 zubilligt, veranstaltet Kochkurse. Wie andere auch. Doch im Schloss haben die Premium-Partner dem Meister für seine Messen vor Publikum einen blitzenden Tempel eingerichtet, der mit allen Schikanen aus der Produktpalette der vier Unternehmen aufwartet.

Die exquisit-futuristische Super-Küche mag zwar beim gelegentlichen Spiegelei-Brater Schwellenängste auslösen. Dem ambitionierten Hobbykoch hingegen soll sie Glücksgefühle vermitteln - geführt von Müller persönlich, vor Kochfeldern und Kühlmaschinen, im Ambiente glitzernder Gläser und feinen Porzellans. Von diesem Glück etwas mit nach Hause nehmen und Gleichgesinnten davon erzählen - das sind die erhofften Multiplikationsfaktoren der Premium-Partner.

"Design gourmetfähig machen," beschreibt es der Fürstenberg-Chef. Küche und Restaurant sind für ihn auch Teststrecke: So schuf die Manufaktur aus einem klassischen Design speziell dimensionierte Schalen, Schüsselchen und kleine Teller für Müllers Amuse-Bouche-Menü mit 19 kleinen, in fünf Gängen servierten Köstlichkeiten. Auch Gaggenau baut auf den Küchenchef: "Technik für das Kochen mit Dampf gemeinsam mit Müller entwickeln - das ist genau das, was ich zur Verfeinerung unserer Produkte brauche", sagt Gaggenau-Mann Schneider. Der Markt ist da, beobachtet Poggenpohl. Duffner: "Premium kommt wieder." Die Luxusküche als Mittelpunkt des Lebens sei ein weltweiter Trend. Immerhin gut 16 000 Euro lässt sich seine Klientel die Grundausstattung für heimische Gourmetfreuden kosten.

Sollten Haushaltungsvorstände knausern, hat Dieter Müller für die Ehefrauen einen Tipp: "Fragen Sie mal Ihren Mann, was sein Auto gekostet hat." In der Kochschule sind Männer in der Überzahl. Der Meister warnt sie vor Technik-Gläubigkeit in der High-Tech-Küche und schafft Distanz zu seinem Sterne-Niveau: "Letztlich ist und bleibt Kochen Kopfsache."

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