Villa Grisebach
2,6 Mio. Euro für eine Beckmann-Landschaft

"Unsere Kunden haben keinen Spaß mehr, Geld auf der Bank zu haben." So kommentierte Bernd Schultz, Gründer der Villa Grisebach Auktionen, den beachtlichen Erfolg seiner Herbstauktionen. Hier wurde am 27. November das teuerste Gemälde der Saison versteigert: eine heitere Küstenlandschaft von Max Beckmann.
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BERLIN. Die Novemberauktionen der Villa Grisebach hatten mit einem Gesamtumsatz von 13,4 Mio. Euro den erhofften marktstabilisierenden Erfolg. Die Schätzung für die vier Herbstauktionen, die bei 10 bis13 Mio. Euro lag, wurde mühelos übertroffen. Damit summiert sich der Gesamtumsatz 2009 für das Berliner Auktionshaus auf 29,2 Mio. Euro. Angesichts der schwierigen Materiallage erstaunt es nicht, dass die Abendauktion der 61 ausgewählten Arbeiten - elf blieben unverkauft - allein schon 8,6 Mio. Euro erlöste. Ungeschmälerter Erfolg einer immer härter werdenden Akquisition. Denn die Villa Grisebach kann mit dem teuersten Bild der deutschen Herbstauktionen aufwarten: Max Beckmanns weiträumige Meereslandschaft bei Marseille. Das auf 1,4 bis 1,8 Mio. Euro angesetzte Ölbild, das in natura wesentlich plastischer und tiefer wirkt als im Katalog, wurde von vier deutschen Privatbietern begehrt und ging unter Applaus bei 2,2 Mio. Euro (brutto 2,61 Mio.) an einen süddeutschen Käufer.

US-Bieter hielten sich zurück

Angesichts der angespannten, aber keineswegs düsteren Marktlage ist hervorzuheben, dass die deutschen Sammler dem Markt treu bleiben, wenn es um Qualität geht. In dieser Versteigerung kamen auch starke schweizerische Gebote zum Zuge, während die Amerikaner sich wegen der Dollar-Kursverluste zurückhielten.

Die ersten beiden Lose, zwei kleine Landschaftsbilder des Romantikers Carl Gustav Carus, gingen bei netto 32 000 und 20 000 Euro in den Schweizer Handel. Auch das folgende Menzelaquarell mit der Tochter des Justizministers Maercker wanderte bei 61 000 Euro in eine Schweizer Privatsammlung. Stolz sind die 66 000 Euro, die ein Berliner Privatsammler für Max Liebermanns Aquarell "Das Rondell im Heckengarten" bot, nicht weniger markant die 330 000 Euro, die ein rheinisch-westfälischer Sammler für das frühe Liebermann-Gemälde "Schafherde" aus New Yorker Privatbesitz einsetzte.

Das gemessen an seiner malerischen Qualität günstigste Werk des Abends, das wiederum in Schweizer Privatbesitz wechselte, war Max Slevogts 1910 datiertes Gemälde "Landhaus in Godramstein", das bei 105 000 Euro nahe der unteren Schätzung einem Schweizer Saalbieter zugeschlagen wurde, der auch ein Kornblumenaquarell Noldes bei 90 000 Euro und übernahm und später noch das 1936 entstandene Hofer-Gemälde "Kartenspieler" bei 280 000 Euro zum doppelten Schätzpreis. Ebenfalls zur unteren Taxe wurden weitere Nolde-Werke abgegeben: das Frühwerk "Waldbach" (1903) bei 90 000 Euro in die Schweiz und das aus Schweizer Privatbesitz stammende Aquarell "Rote, gelbe und violette Blüten bei 120 000 Euro (privat Norddeutschland).

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