Villa Grisebach
Bismarck-Bilder für die gesellschaftliche Elite

Ob Max Beckmann oder Lovis Corinth, Max Liebermann oder Karl Hofer - die Villa Grisebach versteigert bedeutende Kunst der Avantgarde. Mit Adolph Menzel und Franz von Lenbach ist auch das 19. Jahrhundert prominent vertreten. Lenbachs Porträts des Reichskanzlers waren einst beliebte Bekenntnisse der führenden Gesellschaft.
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BERLIN. Mit weniger Masse, aber nicht geringerer Qualität bestreitet die Villa Grisebach ihre Herbstauktionen, die ein Schätzvolumen von 10 bis 13 Mio. Euro haben. Für die Fotoauktion am 26. November, in der Porträts von Heinrich Kühn bis Bettina Rheims dominieren, werden Einnahmen von bis zu 660 000; Euro erwartet. Die Abendauktion mit 61 ausgewählten Losen am 27.11. enthält mehr Nachkriegskunst denn je: ein gutes Drittel des Angebots, das von Carl Gustav Carus bis Eberhard Havekost reicht.

In der Tagaktion am 28.11. gibt es dann noch einmal gut 300 Lose, deren Schätzpreise von 3 000 bis 70 000 Euro reichen. Im Mittelpunkt dieser Offerte stehen 16 Werke des Münchner Malerfürsten Franz von Lenbach aus einer süddeutschen Privatsammlung mit Schätzpreisen bis 30 000 Euro. Geradezu impressionistisch wirkt das Farblich zurückgenommene monochrome Bildnis der Gräfin Dönhoff (12/15 000 Euro). Ausgeboten werden auch drei der einst so begehrten Bismarck-Studien, die zum Hausschatz der deutschen Gesellschaftselite gehörten. Die vollendeten Bildnisse gehörten damals mit Preisen bis 160 000 Goldmark zu den teuersten Markttrophäen der Kaiserzeit.

Unter den frühen Arbeiten der Prestigeauktion ragt ein 1848 datiertes Menzel-Aquarell mit der Tochter des Justizministers Maercker hervor, das auf 60 000 bis 80 000 Euro angesetzt ist. Von Max Liebermann gib es ein spätes Gartenpastell und das frühe stimmungsvolle Ölbild "Schafherde" (1888), das auf 200 000 bis 300 000 Euro geschätzt ist. Von bestechender Qualität ist Max Slevogts Gemälde "Landhaus in Godramstein mit Kindern" (1910), dessen Taxe von 100 000 bis 150 000 Euro dokumentiert, dass dieser deutsche Impressionist noch immer unterbewertet ist.

Lovis Corinths furioses Hasenbild, das wie ein Ur-Baselitz wirkt, hat jetzt mit einer Mindesttaxe von 120 000 Euro denselben Preis, den es 1990 in einer Ausstellung der Galerie Wolfgang Werner hatte. Drei Aquarelle mit Taxen von 40 000bis 150 000 Euro und ein frühes Ölbild bilden die kurze Nolde-Strecke, die in der Folgeaktion durch fünf weitere Lose ergänzt wird. Zu den raren Repräsentanten der Sachlichkeit zählt Hans Grundig, dessen 1925 entstandenes Ölbild "Mädchen mit rosa Hut" auf 80 000 bis 100 000 Euro angesetzt ist.

Wieder einmal steht Max Beckmann im Rampenlicht der Berliner Auktion. Die 1937 entstandene ausladende Meereslandschaft vor Marseille war einst in der kalifornischen Beckmann-Sammlung Stephan Lackner und hat den angemessenen Schätzpreis von 1,4 - 1,8 Mio. Euro. Karl Hofers "Kartenspieler" von 1936 sind mit 100/150 000 Euro moderat dotiert, etwas überbewertet erscheint dagegen mit 80/120 000 Euro das düstere Kandinsky-Aquarell "Unliebsam" von 1931. Dezente Farbigkeit beherrscht die 1951 datierte Baumeister-Komposition "Paradies am Abend des Sündenfalls" ( 100/150 000 Euro).

Poliakoff, Albers, Uecker führen zu einem "dithyrambischen" Baumstamm von Markus Lüpertz, zu Emil Schumacher, Warhol und Mario Merz. Seltenes Auktionsgut ist eine "Malmaschine" der Berliner Installationskünstlerin Rebecca Horn (60/80 000 Euro). Ein kleines abstraktes Richter-Bild und ein Porträt von Alex Katz, ein figuratives Ölbild des Hausheiligen Francis Alys und Eberhard Havekosts Großformat "Braune Palme" beschließen die Auktion.

www.villa-grisebach.de

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