Villa Grisebach: Finanzieller Kraftakt für "Fräulein Heck"

Villa Grisebach
Finanzieller Kraftakt für "Fräulein Heck"

Während der Frühjahrsauktionen der Villa Grisebach gewähren viele Sammler erstaunlich hohe Gebote. So kommt es vor allem bei der Klassischen Moderne zu einer Reihe unerwarteter Preissteigerungen. Selektiven Zuspruch erntet das Angebot an 19. Jahrhundert-Malerei. Insgesamt setzt der Berliner Versteigerer 14 Millionen Euro um.
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BerlinKeine Sinfonie mit Paukenschlag, dafür aber gepflegte Kammermusik mit obligaten Soloinstrumenten. So könnte man das Programm der Frühjahrsauktionen in der Villa Grisebach umschreiben, die aufgrund der für den Herbst angekündigten 200. Auktion auf sechs Einzelkataloge mit den Nummern 194 bis 198 verteilt war. Der Bietfreude tat das keinen Abbruch. Im Gegenteil: der Auktionssaal war in fast allen Sitzungen dicht gefüllt und die Käufer, viele von ihnen wie gewohnt am Telefon, ließen sich streckenweise zu finanziellen Kraftakten hinreißen.

Das gilt nicht nur für das teuerste Bild der Abendauktion am 31. Mai, Gabriele Münters Frühwerk „Am Starnberger See“, das von 200.000 auf den Hammerpreis von 600.000 Euro stieg. Der österreichische Privatkäufer muss mit Aufgeld 732.000 Euro zahlen. Geschätzt war das Werk auf bis zu 400.000 Euro. Das gilt auch für das 1933 entstandene „Mädchen mit Katze“ der jüdischen Malerin Lotte Laserstein, das  im Bietgefecht eines hessischen Sammlers gegen das unterlegene Frankfurter Städel von 16.000 auf brutto 136.600 Euro gehoben wurde. Auch Tamara de Lempickas Hortensien-Stillleben hatte dank französischen Privatgebots eine steile Karriere. Es kletterte von 30.000 auf brutto 189.100 Euro.

Unerwartetes Resultat für Noldes Dünenbild

Den unerwartet hohen Endpreis von 231.800 Euro erreichte Emil Noldes grau verhangenes Dünenbild von 1901. Es geht neben Otto Modersohns markanten „Birken am Moorkanal“ (195.200 Euro), Paula Modersohn-Beckers „Schafhirte“ (256.000 Euro) und der Munch-Radierung „Trost“ (36.600 Euro) in eine süddeutsche Privatsammlung geht, für die eine Auftragsbieterin im Saal aktiv war. Ein Hamburger Privatsammler ersteigerte für 292.800 Euro das schönste Bild der Auktion: Lovis Corinths „Fräulein Heck (Im Boot auf dem Starnberger See)“, das 2001 im selben Auktionssaal 293.500 DM eingespielt hatte.

Ein beachtlicher Preis sind auch die 134.200 Euro, die für die Gouache „Häuserreihe“ von Otto Dix aus Bayern geboten wurden. Karl Hofers allegorisches Nachkriegsbild „Höllenfahrt“ von 1947 wurde für 219.600 Euro in eine rheinische Privatsammlung geholt. Von den vier ausgebotenen Nolde-Aquarellen brachte „Rosen, Calla und Iris“ mit 97.600 Euro den höchsten Preis.

Boteros beleibtes "Großmütterchen"

Für den großen Nay von 1963 gab es wie schon zuvor für Bilder von Heckel, Jawlensky und Schmidt-Rottluff kein Gebot. Fernando Boteros beleibtes „Großmütterchen“ (1969) wandert zum unteren Schätzpreis für 329.400 Euro in jenes griechische Privatmuseum, das sich seit Jahren in deutschen Auktionen bedient. Das Doppelte der Taxe erreichte dafür George Rickeys Edelstahlskulptur „Six Squares Eccentric“, ein Unikat, das für 244.000 Euro von einem Berliner Sammler ersteigert wurde. Anschließend kämpfte die Galerie Brockstedt tapfer um ein großes Akt-Aquarell von Horst Janssen, musste es aber für 68.300 Euro einem norddeutschen Sammler überlassen.

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Gemischte Bilanz für das 19. Jahrhundert

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