Villa Grisebach
Finanzieller Kraftakt für "Fräulein Heck"

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Gemischte Bilanz für das 19. Jahrhundert

Einen Knalleffekt bescherte Günther Ueckers Nagelbild „Spirale“, dessen Erlös für den Nachguss einer Kirchenglocke im Heimatort des Künstlers bestimmt ist und das mit 414.800 Euro seinen Schätzpreis vervierfachte. Sigmar Polke, dessen Papierarbeiten auch in der Auktion „Kunst nach 1945“ heiß begehrt waren, erreichte mit dem „Referenzbild Violett“ von 1999 sein Soll: 256.200 Euro. Thomas Struths grandiose Innenaufnahme der venezianischen Kirche San Zaccaria wurde von der Osloer Galerie K für 170.800 Euro „geschluckt“.

Deutlich den Schätzpreis überrundet

In den Folgeauktionen gab es Überraschungspreise, die ihre Schätzungen deutlich überrundeten. Zwei nicht gerade aufregende Papierarbeiten von Polke aus dem Jahr 1998 wurden mit 61.000 und 73.200 Euro bewertet und Gerhard Richters populärste Graphik wanderte für 59.780 Euro in süddeutschen Privatbesitz. Auch für einen Probeabzug wie diesen ist das eine gewaltige Summe. Schon vorher hatten eine Landschaft von Slevogt mit 73.200 und Otto Muellers zartes Aquarell „Zwei Mädchen am Wasser“ mit 61.000 Euro ihr Soll erfüllt.

Teures Vergnügen mit Kaiser Wilhelm I.

Am ersten Auktionstag gab es für das 19. Jahrhundert, das mit den Nachverkäufen 1,3 Millionen Euro erzielte, eine gemischte Bilanz. Die zahlreichen kleinformatigen Ölstudien wurden selektiv beboten und das hoch dotierte Grottenbild von Franz Ludwig Catel ging zurück. Friedrich Nerlys „Haus der Desdemona in Venedig“ erreichte dank bayerischem Privatgebot mit  97.600 Euro die Schätzung. An denselben Bieter fielen zwei kleine Porträts Wilhelm von Leibls, von denen das zweite, das 21 x 15,8 cm große Bildnis eines streng blickenden Wilderers, von 40.000 auf 173.240 Euro stieg. Auch das teuerste Bild der Sitzung ging für 152.500 Euro an diese Adresse: Ludwig Emil Grimms „Heilige Familie“, in der sich Raffael-Verehrung mit altdeutscher Beschaulichkeit verbindet. Ein erstaunlicher Preis sind für Franz von Lenbachs Porträt des alten, gottergebenen Kaisers Wilhelm I. eingesetzten 75.640 Euro. Im längsten Bietgefecht dieser Auktion siegte ein norddeutscher Käufer gegen einen Berliner Sammler. Das Doppelte der Taxe erzielte mit 48.800 Euro eine kleine, leicht aquarellierte  Menzel-Zeichnung mit dem Selbstbildnis im Atelier.

In den vier Tagen wurden mitsamt den Nachverkäufen 14 Millionen Euro eingespielt. 6,6 Millionen davon entfallen auf die Versteigerung ausgewählter Werke. Hervorzuheben ist, dass die erreichten 756.000 Euro das bislang beste Ergebnis einer Villa Grisebach-Fotoauktion sind. Hier gab es gesteigertes Interesse an frühen Abzügen von Mies van der Rohes eigenen Fotos seiner Hauptprojekte. Das „Modell der Weissenhof-Siedlung wie gebaut“ erreichte 23.180 Euro, ein Blick in den Barcelona Pavillon von 1929 stieg auf 63.440 Euro. Eine weitere Preisexplosion gab es bei der zeitgenössischen Fotografie, als Peter Beards Frontalporträt eines Elefantenbullen von 8.000 auf 75.640 Euro hoch geboten wurde.

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