Villa Grisebach
Kunstgewerbe mit  Ausstrahlung

Die Villa Grisebach Auktionen eröffnen eine neue Sparte: das edle Einzelstück aus den Sammelgebieten Silber, Möbel, Autographen oder Skulptur. Ziel ist, eine jüngere Klientel anzusprechen mit bedeutenden Kunstwerken, die nicht einmal hochpreisig sein müssen.
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BerlinVor genau dreißig Jahren wurde die Berliner Schau „Orangerie“ aus der Taufe gehoben, die in den Folgejahren zu einem Synonym für Hochleistungen des Kunsthandels wurde. Der Name ist mit der letzten Veranstaltung 1991 nicht gestorben. Er erfährt jetzt eine Wiederbelebung mit der ersten „Orangerie“-Auktion, die das auf die moderne und zeitgenössische Kunst gestützte Angebots-Spektrum der Villa Grisebach markant erweitert. Ziel dieser 200 Versteigerung des Berliner Hauses ist es, mit auratischen Einzelobjekten aus allen Bereichen der Kunst von Antiken über Kunsthandwerk bis zur Malerei den Blick auf Objekte zu lenken, die keine Ikonen des Zeitgeists sind. Sondern Dinge, die Geschichte haben und die jedes für sich ein Paradebeispiel seiner Gattung darstellen.

Königin Luises wahres Gesicht

Das ist ein anspruchsvolles Konzept, das subtile, vielstimmige Akquisition erfordert. In dem Kunsthistoriker Stefan Körner (Jahrgang 1978), der Direktor der Sammlungen Esterházy in Österreich war, hat das Auktionshaus einen Mitarbeiter gefunden, der diese Aufgabe und die Katalogisierung mit Wissen und Einsatz erfüllt. Quasi als Morgengabe hat er für die Debütauktion eine sensationelle Skulptur aus Privatbesitz an Land gezogen: Christian Daniel Rauchs wiederentdeckte Büste der Königin Luise, die 1804 datierte Urfassung des späteren Idealporträts, zu dem die Königin dem jungen Bildhauer selbst Modell gesessen hat. Der Schätzpreis von 100.000 – 150.000 Euro erscheint angesichts der historischen und kunsthistorischen Bedeutung dieses Marmorporträts moderat.

Hochkarätiges Cross-Over ist ein neues von den Angelsachsen initiiertes Marktphänomen, das die Käufer jüngerer Kunst mit elitären Objekten zu Grenzüberschreitungen animieren will. In der Tat gibt es Sammler, die von der zeitgenössischen Kunst in die Antike oder zu barocken Kunstkammer-Objekten zurückgewandert sind. Londoner Auktionen und Messen wie „Masterpiece“ oder „Frieze Masters“ versuchen die Augen neu zu öffnen, sind aber auch wieder Beispiele einer auf Hochpreiskonsum ausgerichteten Marktpolitik.

Das Sammeln stimulieren

Anders die Berliner Initiative, in der es keineswegs nur um „Knaller“ in marktstrategischem Sinn geht, sondern um die Ganzheit der Kunst, mehr um die Stimulation des Sammelns als um Rekordpreise. Vorerfahrungen mit Kunstgewerbe hat das Berliner Haus ja in zwei Preußen-Ausstellungen und einer Auktion preußischer Kunst im Jahr 2001 gesammelt.

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Kunstgewerbe mit  Ausstrahlung

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Ein Brief von Maria Stuart

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