Villa Grisebach
Sammler lieben Emil Noldes florale Exerzitien

Die Villa Grisebach versteigert in dieser Saison gleich zwei Gemälde, die um eine Million Euro geschätzt werden. Star der Abendauktion ist neben Emil Nolde auch Georg Tappert. Ein Vorbericht.
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BERLIN. Nolde und kein Ende: das scheint die Devise der Abendauktion am 26. November in der Berliner Villa Grisebach zu sein. Es gibt nicht nur acht Aquarelle, auch eine „Landschaft mit ruhenden Kühen“ in Öl aus dem Jahr 1925 ist vertreten, die wie eine Essenz von Noldes herben, eruptiv geballten Naturdarstellungen wirkt. Das Bild aus Münchener Privatbesitz hat eine Schätzung von 1 bis 1,3 Mio. Euro. Bei den Aquarellen dominieren Blumenstücke. Hier sind die „Vier Sonnenblumen“ ein Paradebeispiel für das Fließend-Geronnene dieser floralen Exerzitien (150 000 bis 200 000 Euro).

Die zweithöchste Schätzung der Auktion ist Max Beckmanns 1933 datiertes Ölbild „Kleines Varieté (in Mauve und Blau)“, das wie das 1944 entstandene Akt-Aquarell „Dream“ wohl aus dem Nachlass kommt. Die Taxen liegen bei 800 000/1 Mio. Euro respektive 250 000 bis 350 000 Euro. Bei den Ausstellungsangaben fehlt ein Hinweis auf die Frankfurter Schau der Beckmann-Aquarelle im Jahr 2006.

Mit 220 000 bis 250 000 Euro wohlfeil angesetzt ist Corinths „Landschaft im Vorfrühling“, ein klassisches Beispiel des furiosen Spätstils. Georg Tapperts um 1910 entstandenes Gemälde „Die Loge II“, eine von ausladenden Hüten dominierte Adaption des Brücke-Stils, wird für 250 000 bis 350 000 Euro angeboten. Auch das ist eine zurückhaltende Notierung. Einen ähnlichen Preis (176 000 Pfund) hatte 1987 bei Christie’s schon die Erstfassung dieses Sujets erzielt.

Weitere Spitzen des Angebots sind ein im Exiljahr 1938 gemalter „Sitzender Akt“ von Oskar Kokoschka (er erlöste im Juni 1978 bei Christie’s 16 500 Pfund und soll jetzt 200 000 Euro bringen) und drei farbige Arbeiten Oskar Schlemmers, von denen das spektral gegliederte Aquarell „Mädchenkopf in farbiger Kleidung“ (250 000 bis 300 000 Euro) das begehrenswerteste ist. Paul Klees Aquarell „Eine Schwärmende“ von 1938 ist im Oktober 2002 bei Sotheby’s Auktion der Sammlung Beck zurückgegangen und hat jetzt mit 140 000 bis 180 000 Euro eine vernünftige Schätzung. Dieser Abendauktion ist eine 15 Lose umfassende Hamburger Privatsammlung von Werken des Berliner Impressionisten Lesser Ury vorgeschaltet.

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