Kultur + Kunstmarkt
Vom Pop-Event zur Medienmesse

Die größte Bücherschau der Welt stellt sich den Herausforderungen der Zeit. Damit wird sich inhaltlich einiges wandeln. Die Frankfurter Buchmesse verändert ihr Gesicht.

HB FRANKFURT/MAIN. Die Buchmesse 2005 wird zur ersten Bewährungsprobe für Juergen Boos. Seit April ist der 44-Jährige Direktor der größten Bücherschau der Welt. Und bis zum vergangenen Wochenende schien es gar, als könne die Messe ohne die sonst üblichen Personalquerelen starten. Aber dieser Wunsch wurde durch den verkündeten vorzeitigen Rücktritt von Dieter Schormann als Vorsteher des Börsenvereins zunichte gemacht. Der Börsenverein ist Träger der Buchmesse. Keine Frage, dass sich die Diskussionen unter den Ausstellern vor allem um diese Personalie ranken werden.

Dabei wünschte sich der neue Messechef nichts sehnlicher als Ruhe. Anders als sein Vorgänger Volker Neumann verzichtete Boos darauf, die Diskussion um die Hotelpreise in Frankfurt öffentlich zu führen.

Stattdessen arbeitete der neue Chef daran, die Buchmesse inhaltlich ins Medienzeitalter zu führen. Weniger als die Hälfte der ausgestellten Produkte in den Frankfurter Messehallen werden wohl noch auf Papier gedruckte Bücher sein. Die Aussteller auf der Messe bemühen sich stärker denn je, auch elektronische Medien wie E-Books oder DVDs zu vermarkten. "Dies wird ein zentrales Wachstumsfeld der Messe", sagte Boos im Gespräch mit dem Handelsblatt. An der Bezeichnung "Buchmesse" aber will er festhalten.

Und ein weiterer Trend ist erkennbar: Der neue Messechef sucht den Kontakt zu artverwandten Branchen. So ist die Buchmesse eine Kooperation mit der Berlinale eingegangen. Damit will Boos die Messe verstärkt zu einem Handelsplatz für Stoffe in Film und Fernsehen entwickeln. Ähnliches gilt für die Zusammenarbeit mit Spielwarenherstellern; sie sollen Spiele oder Lizenzprodukte zu Buchthemen anbieten. Und selbst der Fußball macht vor der Buchmesse nicht Halt: In Lesungen und Diskussionen wird es um die Verbindung von Fußball, Literatur und Kultur gehen.

Einen Erfolg kann Boos auf jeden Fall schon melden: Auf der aktuellen Buchmesse werden 7000 Aussteller aus 100 Ländern ihre Neuheiten präsentieren - ein neuer Rekord. 270 000 Besucher werden an den Messetagen von Mittwoch bis Sonntag erwartet. Die Frankfurter Buchmesse ist die größte englischsprachige Branchenveranstaltung ihrer Art weltweit. Nirgendwo sonst ließen sich "so intensiv Kontakte zur internationalen Szene knüpfen", sagte der britische Branchenexperte Joel Rickett dem Fachmagazin "Buchreport". Und nirgendwo sonst auf der Welt werden so viele Rechte und Buchlizenzen gehandelt wie in Frankfurt.

Das Pop-Event der Vergangenheit wird sich 2005 aber nicht wiederholen. Ein Dieter Bohlen etwa oder der französische Skandalautor Michel Houellebecq wird nicht auftreten. Auch Joanne K. Rowling wird die Bücherschau nicht nutzen, um für ihren sechsten Harry-Potter-Band zu werben. Im Vordergrund der diesjährigen Messe steht die ernsthafte Auseinandersetzung mit Literatur.

Insgesamt werden 1000 Schriftsteller für das Buch werben. Zugesagt haben Nick Hornby, Ken Follett, Margaret Atwood und Cees Nooteboom. Aus Deutschland sind Uwe Timm, Ingo Schulze und Martin Walser vertreten. 40 Schriftsteller stammen aus Korea, dem diesjährigen Gastland der Buchmesse. Sie wollen sich vor allem in Diskussionsforen dem deutschen Publikum präsentieren.

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