Vor 50 Jahren starb Thomas Mann
Am Zürichsee, wo „Lotte in Weimar“ gelang

Vor 50 Jahren starb Thomas Mann. In den idyllischen See-Gemeinden Küsnacht, Erlenbach und Kilchberg fand die Schriftstellerfamilie ihre Schweizer Heimat. Zwischenzeitlich waren sie in die USA ins Exil gegangen. Kehrten aber zurück, nachdem Mann von einem US-Abgeordneten des Kommunismus angeklagt wurde.

Recht steil steigt der Schiedhaldensteig über Küsnacht an, bevor die Besiedlung dünner wird und sich auf der Höhe ein Waldstück aufbaut. Hinter einer hohen Kiefer und versteckt zwischen Buschwerk ist das Schindeldach eines betagten Hauses kaum zu erkennen, welches das Wetter und die Zeiten in all den Jahren in ein rot-braun-gelb-graues Flickenmuster verwandelt haben.

Irgendwo unterwegs kreuzt die Schiedhaldenstraße; rechts ab in der Nummer 33, in einem geräumigen Haus mit Blick auf den Zürichsee, wohnte Thomas Mann mit seiner Frau Katia und den Kindern von 1933 bis 1938. „Von wunderschönen Waldspaziergängen“ schwärmte Mann später, „die ich in unserem Küsnacht vor der Tür habe“. In den Wald über Küsnacht trieb es den rüstigen Sechziger fast täglich, mal morgens und mal mittags, mal vor der Schreiberei, mal danach.

Wer auf den Spuren des Spaziergängers Mann heute in den Wald entlang dem Dorfbach und durch die enge Schlucht des „Küsnachter Tobels“ gelangen will, der kann den Schübelweiher umrunden. Das kleine Gewässer ist an diesem Sonntagmorgen Ziel einiger Spaziergänger und Jogger. Und einiger aufgeregter Wildenten, die unter erheblichem Geschnatter hin und zurück kreuzen, als ob es sich um eine Atlantik-Überquerung handele.

Der Weg von hier oben herunter nach Küsnacht am Zürichsee ist auf doppelte Weise nicht zu verfehlen – erstens, weil er fast bis zur Mündung immer bachabwärts führt, und zweitens, weil er als Wanderweg mit einer gelben Raute markiert ist.

Zu einer Lehrstunde für Spätberufene in Sachen Waldbotanik wird der Spaziergang entlang dem Küsnachter Tobel, durch den in 20, 30 Metern Tiefe der Dorfbach rauscht. An Weißdornhecken geht’s entlang, an Traubeneichen, Erlen, Kiefern und Fichten, am Spitz- und am Bergahorn, an der Gemeinen Esche und am Gemeinen Spindelstrauch, am Haselstrauch, am Faulbaum und am Sanddorn. Entlang dem Weg, den wohl auch Thomas Mann gegangen ist, erklären heute Metalltafeln Namen von Arten und Sorten, die uns längst entfallen sind.

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