Vorwürfe gegen Gottschalk
ZDF-Fernsehrat befasst sich mit Schleichwerbung

Nach dem Bericht über Schleichwerbung bei der ZDF-Show „Wetten, dass...?“ soll sich nun der Fernsehrat mit den Vorwürfen gegenüber Gottschalk befassen. Anfang März soll das Gremium über die Schlussfolgerungen diskutieren.
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Mainz/HamburgDie Schleichwerbungs-Vorwürfe gegen die ZDF-Sendung "Wetten, dass..?" sollen im ZDF-Fernsehrat besprochen werden. "Weil das Gebot der redaktionellen Unabhängigkeit und das Verbot der Schleichwerbung essentielle Grundlagen der Programmarbeit des ZDF darstellen, habe ich vorgesehen, dass sich der Fernsehrat in seiner nächsten Sitzung am 8. März 2013 mit dem Vorgang befasst", sagte der CDU-Politiker und Fernsehratschef Ruprecht Polenz am Montagabend "Spiegel Online". Das Gremium werde dann überlegen, welche Schlussfolgerungen zu ziehen seien, sagte Polenz weiter.

Am Wochenende hatte der "Spiegel" berichtet, dass es unter Ex-Moderator Thomas Gottschalk bei "Wetten, dass..?" Schleichwerbung gegeben habe. Die Verträge mit den Firmen, die ihre Produkte in der Familiensendung platzieren konnten, schloss demnach Gottschalks Bruder Christoph mit seiner Firma Dolce Media.

Dabei seien Millionenbeträge von Firmen wie Audi, DaimlerChrysler oder SolarWorld geflossen. In den von Dolce Media geschlossenen Verträgen sei den Firmen sogar Einfluss auf Inhalte der Show - etwa bei der Präsentation von Autos bei Gewinnspielen - zugesichert worden.

Thomas Gottschalk hatte bis Ende 2011 "Wetten, dass..?" moderiert. In einer von seinem Berliner Rechtsanwalt verbreiteten Erklärung ließ er am Montag alle Vorwürfe zurückweisen. Thomas Gottschalk sei weder Vertragspartner der im "Spiegel" erwähnten Verträge gewesen noch sei er an den Verhandlungen oder Abschlüssen beteiligt gewesen. Ihm sei deshalb persönlich keinerlei Fehlverhalten vorzuwerfen, hieß es in der Erklärung.

ZDF-Verwaltungsratschef Kurt Beck erwartet indes eine Reaktion des Senders. „Es ist (...) selbstverständlich, dass ich als Vorsitzender des Verwaltungsrates des ZDF den Intendanten bitten werde, zu den Vorhaltungen Stellung zu nehmen und die heutige Praxis darzustellen“, teilte der scheidende rheinland-pfälzische Ministerpräsident am Dienstag auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur in Mainz mit.

Er verwies aber zugleich auf Vorgänge von 2007 und früher: „Es handelt sich dabei um Vorgänge, die lange zurückliegen, die auch in den Gremien erörtert wurden.“ Darauf habe es seinerzeit Reaktionen des Senders und Veränderungen in Abläufen und Kontrollen gegeben.

Das ZDF hatte den Vorwurf der Schleichwerbung am Montag zurückgewiesen. Nur in einer Ausgabe 2007 habe es eine „grenzwertige Preispräsentation“ gegeben, wonach die Redaktion und Gottschalk auf die Gewinnspielregeln des Senders hingewiesen worden seien.

Agentur
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AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur
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dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Vorwürfe gegen Gottschalk: ZDF-Fernsehrat befasst sich mit Schleichwerbung"

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  • Einfach zu köstlich. Der ZDF-Fernsehrat befasst sich mit Schleichwerbung beim ZDF. Wann sind wir denn soweit, dass Mörder und Bankräuber darüber selbst befinden und selbst entscheiden dürfen, ob sie wohl eine Straftat begangen haben oder nicht? Es ist das Gleiche, wie mit den korrupten Politikern in Deutschland. Selbst absolut kein Unrechtsbewusstsein, aber dem Steuerzahler wegen jeder Kleinigkeit die Hölle heißmachen.

  • Die geistlose Plaudertasche kriegt den Kragen nicht voll.Sorge macht aber insbesondere der sorglose Umgang des ZDF mit diesem Problemkind und seinem Bruder.

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