Wahlpartys haben ihren eigenen Charme. Essen und Trinken werden da leicht zur Nebensache
Grüner Borschtsch aus roter Beete

Bei TV-Arzt Dr. Carsten Flöter gibt?s am kommenden Sonntagabend Schnittchen und Getränke - Wahlparty à la Lindenstraße eben. Doch es geht auch einfallsreicher: Von Finger-Food - dem Häppchen, das zwischendurch einhändig vom Tablett gegriffen und verzehrt wird - bis zum anspielungsreichen Menü ist die Auswahl groß.

Entscheidend ist, in welchem Rahmen der feierwillige Wähler das Polit-Event erleben möchte: ein gemütlicher Abend mit Freunden und gutem Essen, bei dem man munter lästern kann? Gemeinsam Fernsehen gucken und dabei auch mal einen Happen essen, während die Hochrechnungen und vorläufigen Endergebnisse aus der Kiste flimmern? Oder große Fete mit Caterer und Kochvergnügen?

Letztlich bleibt es eine Frage des Budgets. Wer weiß schließlich, ob er wirklich was zu feiern hat?

Für Rosemarie Wrede-Grischkat besteht kein Zweifel, was auf der Einladung stehen müsste. "Wahlpartys sollten möglichst zwanglos sein, Ambiente und Etikette spielen eine absolut untergeordnete Rolle", sagt die Trainerin und Autorin zum Thema "gutes Benehmen". Wichtiger als aufwendiges Speisen sei das Informationsbedürfnis der Gäste, meint sie. Und dem trägt man am besten mit mehreren Fernsehgeräten Rechnung, die möglichst auf verschiedene Räume verteilt werden. Dann gibt?s keine Monopole auf die Fernbedienung.

Das sieht Markus Priester anders. Ihm reicht das TV-Info-Event nicht. Der Profi-Moderator von Clevertainment ist überzeugt davon, dass jede Party unterhaltende Elemente braucht. Deshalb sollten die Gäste einer Wahlparty erst mal wählen - möglichst genau so, wie sie es am Morgen getan haben. Die Stimmzettel kommen in eine Kiste und werden ausgezählt, wenn der Trend bei den Hochrechnungen stabil ist. "Ein Vergleich der beiden Ergebnisse bietet Gesprächsanlass", sagt Priester.

Ein weiterer Tipp des Moderators: Cocktails, farblich auf die politischen Lager abgestimmt. Sie sind ebenfalls ein witziges Element, um unbekannte Gäste miteinander ins Gespräch zu bringen.

"Cocktails? Vergebliche Liebesmüh?!" urteilt dagegen Wrede-Grischkat. Für sie ist das Fest perfekt ohne Schnickschnack: keine Dekoration, keine anspruchsvollen Speisefolgen, keine ausgefallenen Getränke. Stattdessen: Wasser, Wein oder Bier. Um zu verhindern, dass zu fortgeschrittener Stunde, wenn die einen ihre Wunden lecken und die anderen ihren Triumph nicht verbergen mögen, bittere Streits entstehen, hier noch ein Rat der perfekten Gastgeberin: "Der Alkoholpegel bleibt niedrig, wenn die Wassergläser groß sind. Beim Bier am besten Pils im kleinen Fässchen anbieten. Das braucht immer seine Zeit zum Zapfen."

Und zum Essen? Finger-Food. Dazu zählen auch selbst gemachte Schmalzstullen oder Frikadellen. Aber es geht auch raffinierter. Hobbyköche finden gute Rezepte im Internet: Garnelenspieße mit Mango und Avocado-Dip oder Palmherzspießchen, Sate-Spieße oder Schweinelendchen in Maismehlkruste auf Burger-Art. Einfacher ist natürlich der Weg ins Delikatessengeschäft: Dort findet man inzwischen von kleinen Quiches und Pasteten bis zu Schinkenkonfekt oder Leber-Pflaumen-Praline eine reiche Auswahl an praktischen Häppchen.

Wer doch lieber ein Menü servieren möchte, kann sich von Heiko Antoniewicz inspirieren lassen. Der Küchendirektor von Kofler Catering, das in Berlin das Event-Catering im Zeughaus betreibt, liebt es, anspielungsreiche Menüs zusammenzustellen

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Als Erinnerung an die kommunistischen Wurzeln der Grünen empfiehlt er "grünen Borschtsch" aus roter Beete und Sauerampfer und als Symbol für Rot-Grün pochiertes Lachsfilet mit grünen Bohnenkernen. Für Schwarz-Gelb bringt Antoniewicz schwarze und gelbe geflochtene Canneloni mit Schellfisch, Suppe aus Topinambur mit schwarzen Herbsttrompeten und Safranreis mit gebratener Wachtelbrust auf den Tisch.

Dem Liebhaber einer großen Koalition legt er Rotbarsch in schwarzer Sepia-Sauce ans Herz. Zum Dessert gibt?s "rote Grütze in Dekonstruktion"; die Früchte werden nicht als Mousse serviert, sondern kommen mariniert auf den Teller, getrennt wird die Sauce gereicht.

Kompliziert wird?s, wenn man einen Catering-Service beauftragen möchte, denn nicht jeder arbeitet sonntags. Dallmayr in München darf als Einzelhändler am siebten Tag keinen Lieferdienst anbieten, sondern nur seinen vollständigen Party-Service. Und der lohnt sich erst ab 50 Personen, sagt Küchenleiter Dirk Lamken, denn pro Person schlägt das Event mit rund 100 Euro zu Buche.

Auch die "Kaiserschote" in Köln tischt erst auf, wenn 50 Gäste zugesagt haben. Doch dann bietet der Caterer Finger-Food-Köstlichkeiten wie Maisfladen mit Thunfisch-Füllung, Poularden- oder Scampi-Spieße zum Preis von 1,70 Euro pro Stück. Paul Metz aus Köln macht derlei Einschränkungen bei der Gästezahl oder beim Wochentag nicht. Und: Sein Party-Service ist selbst kurzfristig buchbar - also drei Tage im Voraus.

Was würde der Party-Profi einem Wähler empfehlen, der auf den Wechsel hofft? "Ein Feuerwerk internationaler Köstlichkeiten: frisch zubereitete Gambas, Austern, Cocktail-Pflaumen im Speckmantel." Und den Rot-Grünen? "Moderne Regionalküche", schmunzelt der gelernte Metzger. "Spätzle, Ochsenmaulsalat, grüne Sauce. Oder unser rustikales Büfett ,Kölscher Klüngel?."

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