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Filmtipp: "Wolfsburg"

Eine Landstraße - die Abkürzung auf dem Weg in die Autostadt Wolfsburg. Philipp telefoniert mit seiner Verlobten, das Gespräch wird heftig, er achtet nicht auf die Straße, überfährt ein Kind, begeht Fahrerflucht.

Später wird der Junge sterben. Philipp kriegt ein schlechtes Gewissen – so schlecht, dass er seine inzwischen eingegangene Ehe aufgibt, seinen gutbezahlten Job verliert. An dieser Stelle der Geschichte schnürt Christian Petzold (Deutscher Filmpreis für "Die innere Sicherheit", 2000) einen atemraubenden melodramatischen Konflikt. Philipp verliebt sich in Laura, die Mutter des Jungen, den er überfuhr, und sie verliebt sich in ihn, ohne zu wissen, dass er der Mörder ihres Sohnes ist.

Das kann nicht gut gehen, es wird nicht gut gehen. Jeder auf Effekte versessene Regisseur hätte diesen Konflikt ausgespielt und auf schwindelnde melodramatische Fallhöhen hochgetrieben. Nicht so Christian Petzold. Er erzählt zurückhaltend und zurückgenommen, aus beobachtender Distanz (kaum Großaufnahmen), fast ohne Musik.

Die beiden Schauspieler, Benno Fürmann und Nina Hoss, vermeiden überflüssige Gesten und Gefühlsausbrüche. Das Drama spielt sich in ihrem Inneren ab. Gerade diese Zurückhaltung der Erzählung und des Spiels macht nun aber das Drama umso eindringlicher und unausweichlicher. Die Liebes-Szenen, hinter denen Verzweiflung aufscheint, gehören zu den intensivsten, den großen Momenten des Films. Der beste deutsche Film des Jahres. Leider ist er nur in ausgewählten Kinos zu sehen.

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