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Kinotipp: "Die Blume des Bösen"

"Fleur du mal" heißt der neue Ausflug des französischen Regisseurs Claude Chabrol in die Befindlichkeiten der französischen Bourgeoisie - die "Blume des Bösen", nach einem berühmten Gedicht von Charles Baudelaire. Und gleich zu Beginn macht Chabrol klar, dass etwas Unangenehmes passieren wird.

Eeine Leiche liegt im Wohnzimmer, in der Villa einer wohlsituierten Familie, draußen auf dem Land, in der Nähe von Bordeaux. Der Film erzählt, wie es zu der Leiche kommt. Er führt zunächst in die Familie ein, zeigt sie in angenehm-idyllischen Bildern, nur ist die Idylle keine. Die Fassade bröckelt.

Der Hausherr (Bernard Le Coq) vergnügt sich nachmittags mit schönen Frauen, die er in seine Apotheke einlädt. Die Frau des Hauses (Nathalie Baye) ist der Familie längst entfremdet und arbeitet mit einem freundlichen Assistenten daran, Bürgermeisterin im Ort zu werden. Der Sohn (Benoît Magimel) kommt aus Amerika zurück und hat eine leidenschaftliche Liebe mit seiner Halbschwester Michèle (Mélanie Doutey), was auch nicht gerade die feine Art ist. Zu allem Überdruss hatte einer der Großväter mit den Nazis kollaboriert, was jeder im Ort weiß. Da wird eine Familie ganz schön auseinandergenommen.

Dass am Ende ein Mord passiert, ist nicht weiter wichtig, passt aber ins Bild. Chabrol ist ein bisschen zu betulich, um dieses Familien-Bild wirklich böse und giftig zu machen. Es fehlt der Biss. Aber freundlich ist sein Film deswegen noch lange nicht: noch immer spürt der französische Altmeister Abgründe im Alltag auf.

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