„We Steal Secrets“
Die mühsame Suche nach Objektivität

Der Fall Edward Snowden verleiht der Wikileaks-Dokumentation „We Steal Secrets“ ungeahnte Aktualität. Der Film ist vor allem ein Beispiel für die Schwierigkeit, beim Thema Geheimnisverrat die Wahrheit zu erkennen.
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BerlinJust zum Drama um den Informanten und ehemaligen US-Geheimdienstmann Edward Snowden kommt ein Dokumentarfilm über einen bekannten Vorgänger in die Kinos. Heute läuft „We Steal Secrets: Die Wikileaks Geschichte“ in Deutschland an. Der Film verknüpft das Schicksal des wahrscheinlichen Wikileaks-Informanten Bradley Manning und Julian Assange, des charismatischen Gründers der Enthüllungsplattform. Hinter dem rund zwei Stunden langen Film steht einer der weltweit bekanntesten Dokumentarfilmer: Alex Gibney war mit seinen 59 Jahren mehrfach für den Oscar nominiert und gewann die Trophäe 2008 mit „Taxi to the Dark Side“, der Geschichte eines afghanischen Taxifahrers, der nach Verhören durch US-Soldaten starb.

Allein schon diese schonungslose Darstellung einer haarsträubenden Misshandlung durch das amerikanische Militär brachte Gibney eigentlich der Wikileaks-Mission nahe. Dennoch waren Assange und Aktivisten der Enthüllungsplattform alles andere als zufrieden mit seinem neuen Film. Schon der Titel („Wir stehlen Geheimnisse“) sei eine tendenziöse Lüge, wetterte Wikileaks. Tatsächlich stammt der Satz im Film vom ehemaligen CIA-Direktor Michael Hayden, der sich eher auf das Wesen der Geheimdienst-Arbeit bezieht.

Gibney bemühte sich sichtlich um Objektivität. Er durchschaufelte Berge an Material aus den vergangenen Jahren, von Assange-Interviews über Vergeltungsaufrufe amerikanischer Politiker und TV-Kommentatoren bis hin zu verfügbaren Informations-Schnipseln über Manning. Der junge US-Soldat sei für ihn der eigentliche Held in dieser Geschichte, betonte Gibney in einem US-Radiointerview. „Er ist der Mann, der all dieses Material öffentlich gemacht hat - das Video vom Hubschrauber-Angriff in Bagdad, die Kriegs-Depeschen aus Irak und Afghanistan, die Dokumente des US-Außenministeriums.“

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Die mühsame Suche nach Objektivität

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Komplexe Geschichte voller gegensätzlicher Darstellungen

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