Weekend Journal Interview
„Etwas läuft verkehrt hier“

Tom Cruise ist einer der größten Stars in Hollywood. Im Interview mit dem Weekend Journal plaudert Cruise über seinen neuen Film „The Last Samurai“ und die Probleme Amerikas.

Mr. Cruise, in Ihrem neuen Streifen „The Last Samurai“ spielen Sie einen Söldner, der die japanische Armee im Kampf ausbilden soll. Eine schwierige Aufgabe?

Ich musste Japanisch lernen, mich im Schwertkampf beweisen, im Kimono graziös bewegen – natürlich war das eine schwierige Aufgabe.

Stimmt es, dass Sie die Rolle deshalb fast nicht angenommen hätten?

Das stimmt. Ich konnte mir einfach nicht vorstellen, in die Kultur der Samurai so einzutauchen, dass es glaubwürdig rüberkommt.

Warum haben Sie den Job dann doch angenommen?

Ich mag eine gute Herausforderung. Und außerdem war ich offen, fast ein ganzes Jahr für dieses Projekt zu opfern, um mich zu 100 Prozent vorbereiten zu können.

Andere Kollegen drehen in dieser Zeit vier Filme.

Mag schon sein, aber ich bin ein Mensch, der sich mit Haut und Haaren in etwas stürzt. Halbe Sachen liegen mir nicht. So sieht es übrigens auch in anderen Bereichen in meinem Leben aus.

Amerika steht derzeit weltweit in arger Kritik. Was halten Sie vom Krieg im Irak?

Kriege lösen keine Konflikte. Ideen sind es, die zu Lösungen führen. Wir wiederholen uns doch nur. Wir haben wunderbare neue Technologien, und dennoch gibt es weiterhin Kriege und weltweite Hungerkrisen.

Wie erklären Sie Ihren Kindern das Phänomen Krieg?

Ich stelle meinen Kindern viele Fragen. Ich frage, was sie empfinden, was sie fühlen. Es ist erstaunlich, wie gut Kinder sich ausdrücken können. Wir müssen uns nur die Zeit nehmen, ihnen wirklich zuzuhören.

In Amerika gilt im Moment: „Der Stärkere siegt“, oder?

Das scheint wohl so zu sein. Aber ich bin der Meinung, dass der scheinbar Mächtigere nicht immer auch Recht haben muss. Es gibt keine wirkliche Verständigung unter den Völkern ohne echte Kommunikation.

Welche Ungerechtigkeit regt einen Tom Cruise denn besonders auf?

Das wir unsere Kinder ständig mit Drogen vollpumpen. Das ist ein Skandal. Und das sind Drogen, die Ärzte ganz legal verabreichen.

Sie meinen Antidepressiva oder Beruhigungsmittel für Kinder mit einem Aufmerksamkeitsdefizit?

Genau. Was für ein Quatsch! Wir müssen unseren Kindern keine Medikamente verabreichen, wenn wir uns richtig um sie kümmern.

Sie klingen ja fast schon politisch engagiert?

Das ist doch ein soziologisches Problem. Unsere Gesellschaft findet nicht einmal mehr die Zeit, in aller Ruhe den Problemen unserer Kinder zuzuhören. Dagegen wehre ich mich. Sehen Sie, irgendetwas läuft doch verkehrt im Amerika dieser Tage. Die Unternehmen des Landes, also „Corporate America“, müssen heute die College-Absolventen völlig neu ausbilden, wenn sie aus der Uni zur Arbeit kommen. Da steckt irgendwo der Wurm drin.

Für Ihre Rolle in „Last Samurai“ mussten Sie sich mit den Kriegen gegen die Indianer beschäftigen, weil Ihr Charakter vor seiner Reise nach Japan unter General Custer gegen die Indianer gekämpft hat.

Ja. Und dabei habe ich auch eine Menge über meine Vorfahren gelernt.

Nämlich?

Das zum Beispiel der in meiner Heimat USA so viel gerühmte General Custer ein Mann war, der Menschen reihenweise abgeschlachtet hat. Es war seine Frau, die später eine positive Imagekampagne für ihren Mann startete.

Können Sie sich vorstellen, Ihre Frau auf ein solches PR-Abenteuer zu schicken?

Nein, sicherlich nicht. Aber ich habe ja auch keine grausamen Geheimnisse zu verbergen.

Herr Cruise, Sie sind der größte Star, den Hollywood im Moment aufzubieten hat. Fühlt sich das nicht manchmal wie ein Traum an?

Ich fühle mich wie ein großes Kind. Und eigentlich bin ich das ja auch: ein großes Kind. Ich liebe mein Leben. Es ist einfach verdammt gut zu mir.

Filmkritik: The Last Samurai...

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