Weihnachtsbaumschmuck
Baumkugeln in Nationalfarben

Lauschas Glasbläser sind auf alles eingestellt. Sogar darauf, dass die deutschen Christbäume diesmal in den Nationalfarben funkeln können. Die rund 50 Unternehmen haben fast alles an Weihnachtsbaumschmuck, was man sich vorstellen kann.

HB LAUSCHA. „In der Euphorie der Fußball-WM haben wir Kugeln in Schwarz-Rot-Gold ins Sortiment genommen - geordert werden sie aber vorwiegend für Werbezwecke“, berichtet Gerd Ross, Betriebsleiter der Krebs Glas Lauscha GmbH. Lauscha im thüringischen Schiefergebirge gilt als Wiege des gläsernen Christbaumschmucks. Die Firma mit gut 50 Beschäftigten ist einer der traditionsreichsten Hersteller weltweit von gläsernem Baumzier. Pro Jahr werden rund zwei Mill. Kugeln, Glocken oder Zapfen produziert.

Die Trends für den Baum 2006 wurden laut Ross bereits im Januar auf der Frankfurter Messe „Christmas World“ gesetzt. Bernstein, Naranja-Rot, Pfirsich und Champagner gelten seither als Trendfarben. „Die Masse der Kunden muss jedoch nicht unbedingt kaufen, was trendig ist“, sagt Ross. Deshalb sei seine Firma auf der sicheren Seite, wenn sie möglichst viele unterschiedliche Teile anbiete. Die Palette umfasst daher rund 5 000 Baumschmuckartikel.

Das Angebot reicht von Kugeln, Trompeten, Glocken, Herzen, Vögeln, Autos, Pferdchen und Nussknackern bis hin zu spärlich bekleideten Mädchen. Es gibt Schrilles, Dezentes, Kribbelbuntes, Kitschiges, Kunstvolles, vieles davon in den nach wie vor beliebtesten Baumschmuck-Farben der Deutschen: Gold, Bordeaux-Rot und Grün. Zertifikate belegen den handwerklichen Wert ganz besonderer Stücke.

Mit Qualität und Tradition versuchten viele Glasbläser in der Region gegen die Massenware aus Fernost zu bestehen, sagt Gerald Vogel, Landesinnungsobermeister der Kunstglasbläserinnung in Thüringen. 50 Unternehmen gibt es noch in und um Lauscha, vom Ein-Mann-Betrieb bis zu Firmen mit gut 50 Beschäftigten. 1500 Menschen hier leben seiner Schätzung nach vom Glasschmuck. Deren Zukunft sei aber keinesfalls gesichert: „Viele Kunden greifen immer noch zur Massenware. Baumschmuck ist Luxus“, sagt der Innungsobermeister. Mundgeblasene, hochwertige Ware oder Figürliches nach traditionellen Formen finde aber seine Abnehmer. Auch mit Service wie dem Dekorieren von Geschäften könnten sich die Glasbläser neue Kunden erschließen.

Solch eine Nische entdeckte Kunstglasbläser Michael Haberland bereits vor 15 Jahren. Er besann sich damals auf die Formen, mit denen Großvater und Urgroßvater ihr Leben lang gearbeitet hatten. In den Kisten fand er allein 142 Teile für Vögel. Seither ist Haberland auf gläsernes Federvieh spezialisiert. Er arbeitet mit zehn Grundformen und zaubert Vögel in mehr als 100 Designs. Darüber hinaus stellt er auch Weihnachtsmänner, Engel, Autos, Früchte oder Modernes mit neuen Formen her. Vier Beschäftigte hat er in seinem kleinen Betrieb in Lohn und Brot. Erstmals konnte er in diesem Jahr durchgängig Arbeit für alle Mitarbeiter bieten.

Für die kleine Firma Haberland wie auch für die Krebs Glas GmbH ist es Ehrensache, die Zunft auf dem Lauschaer Kugelmarkt zu vertreten. Die beiden ersten Adventswochenenden sind dann zugleich der Höhepunkt im jährlichen Veranstaltungskalender des Ortes mit der langen Glastradition. Der Legende nach war es ein armer Glasbläser aus Lauscha, der 1848 in Ermangelung echter Äpfel und Nüsse erstmals selbst gefertigte Glasfrüchte in seinen Baum hängte. 1880 erkannte der Amerikaner Woolworth den Verkaufswert dieser filigranen Erzeugnisse und ließ die Glasfertigung in und um Lauscha boomen.

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