Wein, Cognac und Champagner
Wie Seiteneinsteiger eine traditionsreiche Branche umkrempeln

In Frankreich mischen Seiteneinsteiger den alteingesessenen und kapitalintensiven Markt für Wein, Cognac und Champagner derzeit gehörig auf. Dabei wenden die Neulinge ungewöhnliche Methoden an, sind innovativ und und richten den Blick vor allem auch auf das Ausland, wo weniger Vorurteile gegenüber neuen Ideen herrschen.
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Inmitten von Rebstöcken und von einem gepflegten Park umgeben, ist bei Bordeaux eine der besten Adressen der Weinwelt zu Hause: Château Pape Clément. Bei der Renovierung des Schlosses wurde auf technischen Luxus oder überflüssigen Komfort verzichtet. Knarrende Parkettböden, alte Gemälde, Holzvertäfelungen - der Besucher bekommt eine Vorstellung, wie es gewesen sein mag, als das Schloss noch der Familie des Bischofs von Bordeaux gehörte, der 1305 zu Papst Klemens V. gewählt wurde.

Die Bilderbuchszenerie lässt eine stolze Ahnengalerie einer Winzer-Dynastie im Schloss vermuten. Doch sein heutiger Besitzer Bernard Magrez ist gelernter Fräser und Absolvent einer Fachschule für Holzbearbeitung. Dann entdeckte er den Wein für sich. Nun herrscht er über 36 Weingüter und zählt zu den wohlhabendsten Franzosen. Der einflussreiche Weinkritiker Robert Parker kommt regelmäßig zur Verkos-tung. Schon zweimal hat er dem Château Pape Clément — der 2009er-Weißwein kostet ab 130 Euro die Flasche — die Bestnote von 100 Punkten gegeben. Für den Amerikaner ist Magrez ein "Visionär und Revolutionär". Auch, weil er keine Rücksicht nehmen muss auf Familientraditionen.

Der heute 74-jährige Franzose gehört zu den wenigen Winzern, die nicht in die Weinwelt hineingeboren wurden, sondern aus Lust und unternehmerischer Leidenschaft die Traditionsbranche erfolgreich aufmischen. Winzer Magrez, Cognac-Hersteller Alexandre Gabriel oder Champagner-Unternehmer Bruno Paillard demonstrieren, dass Newcomer auch in alteingesessenen, kapitalintensiven Branchen reüssieren können. Sie wenden ungewöhnliche Methoden an, sind innovativ, setzen auf erlesene Qualität, die nur in der Spitzengastronomie und bei ausgesuchten Fachhändlern zu finden ist, und richten den Blick auf das Ausland, wo weniger Vorurteile herrschen gegenüber neuen Ideen im Wein-Metier.

Der Perfektionist

Der Perfektionist Magrez überlässt nichts dem Zufall. Seine Unternehmungen beruhen auf sorgfältigen Marktstudien: "Gute Analysen", sagt Magrez, "sind die Voraussetzungen für gute Entscheidungen". In den Sechzigerjahren etablierte er so die Spirituosenmarke William Pitters, ließ Whisky und Tequila mit Jahrgangsbezeichnungen abfüllen und versprach "gute Qualität zu günstigen Preisen".

Sein nächster Streich war die Marke Malesan: Ein Einsteiger-Wein für wenige Euro, sechs Monate in Eichenfässern gereift und, wie es heißt, nach strengen Qualitätsregeln hergestellt. Zudem ein Name, der den Verbrauchern Orientierung geben sollte angesichts der unübersehbaren Angebotsvielfalt. Mit Erfolg: Elf Millionen Flaschen Malesan wurden im besten Jahr verkauft.

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