Weingüter
Bordeaux privé

Eigene Weingüter haben viele, eine ganze Insel ihr Eigen nennen können nur wenige. Eine Weininsel in Frankreich ist jedoch „très exclusive“.

Es gehört zu den ungeschriebenen Pensionsaufgaben ehemaliger Unternehmer und Regierungsbeamter, sich ein kleines Fleckchen Land in der Sonne zu leisten, gern mit Olivenbäumen, besser noch mit Rebstöcken. Da wird dann die sauer erarbeitete Führungserfahrung in den Ausbau von Gär- und Lagerverfahren gesteckt, immer in der Hoffnung, dass der gekelterte Tropfen nicht ganz so schal schmecken möge wie die zuletzt noch ausgetragenen Diskussionen über Management-Gehälter und Options-Programme.

Andere Aussteiger legen die Beine hoch und kaufen sich ein größeres Ferienhaus oder ein kleines Inselchen, mit Nebengebäuden für den Gärtner und die Entourage. Und noch einen Hubschrauber-Landeplatz und einen Golfplatz. Platz genug für all das wäre auf der Île du Nord, mitten in der Gironde gelegen. Das Eiland misst zwölf Kilometer von Nord nach Süd und beherbergte früher ein ganzes Dorf mit drei Schulen und einer eigenen Eisenbahnlinie – immerhin mit drei Stationen.

Heute liegt die Insel nahezu verlassen. Nur ein paar Hektar Weinstöcke warten noch darauf, in einen großen Bordeaux verwandelt zu werden. Immerhin werfen die Rebstöcke des Guts genug Trauben für 228 000 Flaschen Wein ab. Eine Kelterei und ein Weinkeller mit Stahltanks und Holzfässern sind ebenfalls vorhanden. Und neben dem Haupthaus jede Menge Nebengebäude für all jene Freunde, die vielleicht mal im Weinberg helfen wollen – und dafür einen Tropfen mit eigenem Etikett abbekommen.

Eine alte Médoc-Regel besagt: Die großen Reben müssen die Gironde sehen. Weil der Fluss in der größten Hitze immer noch Kühlung bringt und in den Nächten dafür sorgt, dass den Trauben nicht zu kalt wird. Und die Reben auf der Île du Nord sehen in allen Himmelsrichtungen nichts anderes als die Gestade des südwestfranzösischen Flusses. Leider gehört die Insel jedoch nicht zu den Weinlagen, auf denen die großen Gewächse, die Grand Crus, gezogen werden. Die Weingärten werfen lediglich „Bordeaux Supérieur“ ab – was nicht die vinophile Spitze markiert, sondern lediglich eine etwas bessere Appellation Contrôlée darstellt.

Allerdings liegt das berühmte Châteaux Margaux gleich vis-à-vis (schickerweise inklusive Golfplatz), und die zweite Premier-Cru-Lage Pauillac ist nur einen kurzen Bootsausflug entfernt. Echte Weinfans mit Hang zum Großgrundbesitz können also immer noch mit dem Boot zum Einkaufen schippern, wenn ihnen der eigene Tropfen nicht geraten will. Genug Raum zum Lagern der Pretiosen findet sich in den zahlreichen Wirtschaftsgebäuden allemal. Ach, und Mais wächst auf der Insel auch prächtig. Wer als Winzer einfach keinen Erfolg hat, kann seinen Gästen zumindest selbst gezogenes Popcorn servieren.

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