Weiß spielt längst nicht mehr die Hauptrolle bei den Tapeten. Jetzt kommen wieder Farben und Muster ins Spiel.
Gegen die Wand

Wenn bei Capri die rote Sonne im Meer versinkt - dann ist das nur bei Capri nicht kitschig. Auf Spießers Fototapete wird die sinkende Sonne zum Albtraum zwischen vier Wänden. Doch so zuverlässig, wie die Sonne auf- und untergeht, kehren auch Trends zurück.

Inzwischen weicht das schlichte neutrale Weiß an den Wänden zunehmend der gestalteten Wand. Bereits vor drei Jahren konnten wir in WGs, Clubs und Szenebars ein Wiedersehen mit der guten alten Fototapete feiern, die in ironisch gebrochenen Bergansichten oder Frühlingswäldern schwelgte.

Auch das Aufstöbern auf Flohmärkten von Mustertapeten aus den effektfreudigen siebziger Jahren machte Schule. Das mutig an die Wand gekleisterte Fundstück lehrte zumeist: Die bunte Wand macht wirklich etwas her. Darauf reagierten auch Hersteller. Zuerst kamen findige junge Geschäftsleute auf die Idee, den subkulturellen Trend gezielt zu vermarkten: In Berlin gab es plötzlich den Laden Fototapete, der den pittoresken Waldsee im Wunschmaß vertrieb.

Auch im Internet vermehrten sich die Einträge unter dem Suchbegriff "Tapete" rasant: Da wurden zunächst 60er- und 70er-Jahre Fundstücke angeboten - mit reichlich Skurrilitätsfaktor.

Durcheinander wirbelnde, pneumatische Nanas von Niki de Saint Phalle, ein nicht enden wollendes Ineinanderschachteln von Hundertwasser-Häuschen oder schlicht ein halluzinogen wirkendes Mäandern aus Rauten im 3D-Effekt haben aus heutiger, an der Raufaser geschulter Sicht traumatisierendes Potenzial.

Vor diesem flimmernden und wimmelnden historischen Hintergrund hatte die Tapete nach jener exzessiven Phase lange Zeit einen schweren Stand an der Wand.

Ähnlich wie in den zwanziger Jahren, nachdem sich die Welt am ornamentalen Überfluss des Jugendstils satt gesehen hatte. Damals war die weiße Wand die große Herausforderung - ihr stellten sich wegweisend Architekten wie Le Corbusier.

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