Wellness für den Geist
Hirnwaschmaschine

Der Kopf ist zugemüllt und spuckt keine blitzsauberen Gedanken mehr aus? Dann rein damit in die Mind Machine. Die soll ihn schön frei schrubben. Ein Verwirrspiel mit den Sinnen.

Die Errungenschaften der modernen Haushaltstechnik machen uns das Leben so viel leichter: Waschmaschinentür auf, schmutzige Oberhemden rein, Pulver obenauf und eine Stunde später liegt das blütenweiße Ergebnis im Trockner als hätte es all den Schweiß des hektischen Arbeitstages nie gegeben. Der Kopf hingegen bleibt zurück mit seinem Alltagsdreck Ganze Erholungswochenenden, ja gar Urlaubsreisen muss man opfern, um die grauen Zellen wieder frisch gebleicht und gestärkt zum Einsatz zu bringen. Wann kommt endlich die Waschmaschine fürs Gehirn?

Auf der Suche nach einem viel versprechenden Ansatz zur Convenience-Wellness begab sich die Weekend-Autorin in eine Praxis, wo ihr sodann eine schwarz getönte Lichtbrille und ein Kopfhörer aufgesetzt wurde. Mit verkabeltem Kopf auf einer Liege wartet sie auf die Gehirnwäsche.

Dann startet der Reinigungsgang: Es blitzt vor den Augen und unterschiedliche Töne dringen ins Ohr. Das Verwirrspiel mit den Sinnen soll den Geist zur Ruhe kommen lassen, damit er nachher wieder umso wacher ist.

Was nach alten Folgen von Raumschiff Enterprise klingt – „Pille, ich bin so gestresst von den Klingonen! Gib mir doch bitte mal die Brille.“ – ist in Wahrheit ein Mind Spa, ein hoch technisches Erholungszentrum für den Geist.

Als eines der ersten dieser Art in Deutschland haben es Claudia Beyer und Andrea Bosch vor wenigen Monaten in Berlin-Schöneberg gegründet. Sie nennen es „tranxx“, was sich typisch berlinisch „tranks“ spricht, in Anlehnung an den Begriff „Trance“, den ja im Deutschen auch nicht jeder so schön französisch näselt.

Wellness war gestern, jetzt kommt „Mindness“. So sehen es jedenfalls Trendforscher voraus. Vorbei die Zeiten, in denen Manager den büroalltagsgeplagten Rücken hart knetenden Händen ausliefern mussten, in denen sie Eukalyptusdüfte atmend im Dampfbad schwitzten – jetzt geht's um den Kopf: um Bewusstseinserweiterung und Kontrolle des Selbst. Und das am besten vollautomatisch.

Nervös von einer Konferenz in die nächste hetzen, unkonzentriert die Teilnehmer begrüßen, nachts nicht einschlafen können bei Gedanken an fallende Aktienkurse und wackelnde Finanzpläne? Das sollen Sie künftig über Bord werfen können wie eine schlechte Angewohnheit. „Mindness“ bedeute, schöner denken zu lernen, sagt Claudia Beyer. Muss man jetzt Unternehmenszahlen in rosigen Bildern kalkulieren, mit einem Lächeln auf den Lippen? Zumindest so ähnlich. Es gehe darum, erklärt Beyer, sich selbst zu beobachten, um sich über eigene unbewusste Muster klar zu werden. Wer also weiß, wie er tickt, hat die Chance, in eigene Gefühls- und Gedankenprozesse einzugreifen.

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