Weltgrößte Bücherschau
Merkel eröffnet Frankfurter Buchmesse

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat zum Dialog mit China aufgerufen. Sie fordere alle auf, neugierig zu sein und keine Vorurteile zu haben, sagte Merkel am Dienstag zur Eröffnung der Frankfurter Buchmesse, dessen Gastland China in diesem Jahr ist.
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HB FRANKFURT/MAIN. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat zur Eröffnung der Frankfurter Buchmesse alle Besucher aufgefordert, dem Gastland China mit „großer Neugier“ zu begegnen. Der Ehrengast müsse sich jedoch auch kritischen Fragen stellen. „Es kann - und ich bin mir sicher - es wird keine Tabus in der Diskussion geben“, sagte Merkel zum Auftakt der weltgrößten Bücherschau am Dienstagabend in Frankfurt. „Das ist nämlich der Kern der Meinungsfreiheit, für die kaum ein Genre der Kunst so sehr steht wie die Literatur.“

Veranstaltungen wie die Buchmesse böten „eine wunderbare Gelegenheit, sich ein genaueres Bild von China zu machen“. „Ich fordere alle auf: Seien Sie neugierig, haben Sie keine Vorurteile und scheuen Sie sich nicht, Fragen zu stellen“, sagte Merkel beim Festakt zur Eröffnung, an dem neben chinesischen Schriftstellern auch Chinas Vizepräsident Xi Jinping teilnahm.

Das Buch sei ein unverzichtbares Kulturgut und „kein beliebiges Wirtschaftsgut“. Merkel versprach, sowohl die Buchpreisbindung als auch den reduzierten Mehrwertsteuersatz für Bücher nicht anzutasten: „An beidem wird die Bundesregierung festhalten.“ Auch für digitale Bücher (E-Books) müsse die Buchpreisbindung beibehalten werden. Die Bundesregierung werde sich auch international für den Schutz des geistigen Eigentums und die Sicherung des Urheberrechts im elektronischen Zeitalter einsetzen.

Vizepräsident Xi Jinping bezeichnete die Buchmesse als Chance für sein Land, aber auch für das Ausland. Nach 30 Jahren Reformen sei China zur weiteren Öffnung gegenüber der Welt bereit. Sein Land erwarte aber beim Kulturaustausch „Verständnis und Respekt“. Unterschiedliche politische Systeme dürften nicht Konfrontationen rechtfertigen. Er wies darauf hin, dass China an einer Modernisierung seiner Verlagsindustrie arbeite und dabei vom Westen lernen könne. Bereits jetzt komme ein Viertel aller jährlich neu erscheinenden Titel in China aus dem Ausland.

Der auch im Westen bekannte chinesische Schriftsteller Mo Yan wünscht sich in Frankfurt - der Geburtsstadt Goethes - einen kulturübergreifenden Dialog. Der Austausch sei wichtig, um Missverständnisse zu vermeiden. Hessens Ministerpräsident Roland Koch (CDU) wies auf die Bedeutung der Meinungsfreiheit hin. „Wir wollen mit einem stolzen, großen China sprechen“, sagte Koch zur Diskussion um den Ehrengast China. Nur so profitierten auch Minderheiten wie die Tibeter, mit deren Oberhaupt Koch befreundet ist.

Zuvor hatte der Vorsteher des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, Gottfried Honnefelder, gesagt, dass die Buchmesse dem Land „mit großem Respekt und im Wissen um seine Eigenart“ begegne. Er forderte den chinesischen Vizepräsidenten jedoch zugleich auf, den Autoren und Verlegern in China „die notwendige Freiheit für ihr Tun und Sein“ zu gewähren.

Die fünftägige Buchmesse startet an diesem Mittwoch kleiner als im Vorjahr: Wegen der Wirtschaftskrise wurden zwei Prozent weniger Ausstellungsfläche vermietet. Vor allem englischsprachige und osteuropäische Verlage haben abgesagt oder ihre Stände verkleinert. Die Zahl der 7314 Aussteller aus 100 Ländern liegt jedoch nur knapp unter dem Vorjahresniveau (7373 Anbieter). Es werden mehr als 400 000 Titel angeboten, 124 000 davon sind Neuerscheinungen.

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