Weltkulturerbe Elbtal
Die Dresdner und ihre Brücke

Als das Elbtal bei Dresden vor zwei Jahren in zum Weltkulturerbe wurde, waren die Dresdner richtig stolz. Doch dann drohte die UNESCO, den Titel wieder abzuerkennen, weil vor der barocken Silhoutte der Stadt eine moderne Brücke über die Elbe gebaut werden soll. Diese Entscheidung ließ den seit Jahren tobenden Streit um die Waldschlösschenbrücke wieder aufflackern.

HB DRESDEN. „Die UNESCO-Entscheidung für das Dresdner Elbtal macht uns stolz und froh.“ Vor zwei Jahren sorgte die Aufnahme der 20 Kilometer langen Flusslandschaft in die Liste der zu bewahrenden Welterbe-Denkmäler nicht nur beim Dresdner Stadtoberhaupt Ingolf Roßberg (FDP) für Euphorie. Sachsen erhoffte sich zusätzlichen Imagegewinn und Aufschwung. Davon ist zwei Jahre später nicht viel übrig geblieben. Seit acht Wochen tobt ein erbitterter Streit um das Weltkulturerbe, der demnächst sogar Gerichte beschäftigen könnte: Waldschlösschenbrücke contra UNESCO-Anerkennung.

Seit das UNESCO-Welterbe-Komitee vor zwei Monaten wegen des geplanten Baus der Waldschlösschenbrücke mit der Aberkennung des Titels gedroht hat, sind alte Konflikte wieder aufgebrochen. Im Kern liefern sich Brückenbefürworter und Brückengegner eine Neuauflage alter Schlachten - obwohl die Frage seit Anfang 2005 geklärt schien. Damals hatte sich eine Mehrheit bei einem Bürgerentscheid für den Bau der 160 Mill. Euro teuren Elbquerung durch die malerische Landschaft in der Nähe des historischen Stadtzentrums ausgesprochen.

Auch wenn die Brücke den berühmten Canaletto-Blick auf Dresden nicht trübt, machen Gegner des Baus irreparable Schäden für das Elbtal geltend. Doch die Befürworter - allen voran CDU und FDP - pochen nach wie vor darauf, dass der Bürgerwille vollzogen wird: Der UNESCO-Titel bringe ohnehin nichts, Dresden sei auch ohne diesen bekannt genug, und von den Denkmalschützern lasse man sich nicht unter Druck setzen. Die Brücke sei zur Verkehrsentlastung notwendig und müsse gebaut werden.

Rückenwind erhält die Pro-Brücken-Fraktion vom zuständigen Regierungspräsidium. Die Aufsichtsbehörde kassierte jetzt umgehend zwei eilends gefasste Beschlüsse des Stadtrates, der sich für die Bewahrung des Titels ausgesprochen und den Baubeginn für die Brücke ausgesetzt hatte. Aussichtslos scheinen auch die Bemühungen der Brückengegner, die einen neuen Bürgerentscheid anschieben möchten. Dafür reicht ihre Mehrheit im Stadtrat nicht aus, denn das Parlament müsste mit zwei Dritteln der Stimmen ein solches Begehren beschließen.

Dass sich das Land bislang offiziell aus dem Streit heraushält, ist den Brückengegnern zunehmend ein Dorn im Auge. „Das ist eine kommunale Angelegenheit“, so die Sprachregelung aus Staatskanzlei und Innenministerium. „Der Freistaat will den Brückenbau durchpeitschen“, lautet nun das Urteil der Grünen, die das Regierungspräsidium als Erfüllungsgehilfen der Brückenbefürworter im Kabinett sehen. Denn den Standort der Elbquerung hatte die CDU-geführte Regierung in den 90er Jahren an die Bewilligung der Fördermittel geknüpft.

„Die Staatsregierung steuert ihre Landeshauptstadt in eine beispiellose Blamage“, warnte Grünen-Fraktionschefin Antje Hermenau jetzt noch einmal. Denn den Fall, dass einem Ort der Welterbetitel von den Vereinten Nationen (UN) tatsächlich aberkannt wird, gab es bislang noch nie. Nach der Entscheidung des Regierungspräsidiums sei die Titelaberkennung aber nun näher den je, wird befürchtet. Moderater sind die Töne bei der SPD. Die baten den Innenminister, die „formaljuristische Auseinandersetzung“ zu beenden: „Die Stadt Dresden und der Freistaat Sachsen haben gemeinsam bereits weitaus schwierigere Situationen bewältigt.“

Die Debatte etwa um einen anderen Brückenstandort oder um einen Tunnel als Kompromiss ist zunächst wieder in weite Ferne gerückt. Greift Sachsens Innenminister als Dienstherr des Regierungspräsidiums nicht ein, bleibt dem Dresdner Stadtrat vorerst nur übrig, in der kommenden Woche einen Gang vor das Verwaltungsgericht zu beschließen. Nur so kann noch verhindert werden, dass das Regierungspräsidium den unverzüglichen Baubeginn für die umstrittene Brücke anordnet. Zur Suche nach einer Alternative, zu der die UN-Kulturorganisation UNESCO Bund, Land und Stadt ausdrücklich aufgefordert hatte, bleibt zunächst kaum Zeit.

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