Weltkulturerbe-Status
Unesco setzt Dresden „Galgenfrist“

Trotz der geplanten Waldschlösschenbrücke über die Elbe wird die Stadt Dresden den prestigeträchtigen Titel Weltkulturerbe für das Elbtal behalten: Das zuständige Komitee der Unesco hat den Sachsen eine Frist gesetzt, einen harmonischeren Entwurf vorzulegen. Kommt der aber nicht, ist der Titel weg.

HB CHRISTCHURCH. Bis 1. Oktober hat Dresden Zeit, einen alternativen Brückenentwurf einzureichen. Das Komitee beschloss am Montag im neuseeländischen Christchurch folgenden Fahrplan: Die Bundesregierung muss der Beraterkommission des Komitees in den kommenden drei Monaten Alternativpläne zur Waldschlösschenbrücke vorlegen. Diese Expertengruppe prüft, ob die neuen Pläne vereinbar sind mit dem Status der 20 Kilometer langen Flusslandschaft als Welterbe oder nicht. Sie formuliert dann voraussichtlich bis Februar eine vertrauliche Empfehlung an das Komitee, das auf seiner nächsten Sitzung im Sommer in Kanada erneut entscheidet, ob das Elbtal auf der Welterbe-Liste bleiben kann oder nicht

Das Komitee bekräftigte seinen Widerstand gegen den Bau der Waldschlößchenbrücke in der bisher geplanten Form. Das Design der Brücke sei „zu schwer“. Nur wenn es eine Lösung gebe, die dem außergewöhnlichen Wert der Kulturlandschaft Rechnung trage, werde das Elbtal auf der Liste bleiben. Andernfalls soll Dresden den Titel verlieren. Das Dresdner Elbtal steht seit zwei Jahren auf der Roten Liste der Unesco, die alle Stätten aufführt, denen die Aberkennung des Welterbe-Titels droht.

Der Bau einer neuen Elbe-Brücke bewegt seit Jahren die Gemüter. Vor allem die Tourismusbranche und Dresdner Lokalpatrioten wollen die Aberkennung des Welterbe-Titels mit allen Mitteln verhindern. Die Brücken-Befürworter wenden ein, die Stadt brauche die Brücke aus verkehrstechnischen Gründen dringend. Deshalb stimmten die Dresdner in einem Bürgerentscheid für die Verwirklichung des Projekts. Das Bundesverfassungsgericht urteilte Anfang Juni, dass der Bürgerwille Vorrang vor Prestigeerwägungen habe.

Die Verantwortlichen der Stadt streben eine Kompromisslösung an. Sie gaben Alternativentwürfe in Auftrag. Einer der Pläne fand kürzlich die Zustimmung einer großen Mehrheit im Kommunalparlament. Der schlankere Bau würde den Blick auf das Elbtal weniger als der Ursprungsentwurf beeinträchtigen. Mit dem neuen Plan im Gepäck reisten Vertreter der Stadt zur Sitzung des Unesco-Komitees nach Neuseeland.

Der Ausschuss entscheidet nicht nur über gefährdete Kulturgüter, sondern auch über die Aufnahme neuer Stätten in die Welterbe-Liste, darunter die Hafenbrücke und das Opernhaus von Sydney. Insgesamt umfasst die Liste zurzeit 830 Kulturstätten und -landschaften in 139 Ländern.

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