Welttag des Buches
Des Lesers Lust auf Literatur

Man spricht über das Lesen - und man schreibt darüber. Zum Unesco-Welttag des Buches an diesem Sonntag wirbt der Börsenverein des Deutschen Buchhandels gemeinsam mit der Stiftung Lesen für eine Kampagne, die das Lesen vor allem bei Kindern populär machen soll.

BERLIN. Lesen ist eine Nischenbeschäftigung. Das gibt selbst die Stiftung Lesen zu, die sich mit Vorlesepaten und Seminaren im Zeitalter der Bilder und Töne um den Erhalt dieser Kulturtechnik bemüht. Zum Unesco-Welttag des Buches an diesem Sonntag wirbt der Börsenverein des Deutschen Buchhandels gemeinsam mit der Stiftung Lesen für eine Kampagne, die das Lesen vor allem bei Kindern populär machen soll. Prominente "Leseköpfe" - Schauspieler, Sportler und Politiker - sollen Lust auf Literatur machen.

Man spricht über das Lesen - und man schreibt darüber. Eine wachsende Zahl von Neuerscheinungen macht den Leser zum Handelnden und zur Hauptfigur. Seht her: Da ist der Snob, der es sich leistet, sich von der Welt zurückzuziehen, um dem Leben in Büchern nachzuspüren. Da ist der Sammler, der Bücher liebt und dafür Geld ausgibt.

In ihrem Buch, das sie schlicht "Lesen" nennt, präsentiert die Fotografin Isolde Ohlbaum Fotos von Menschen, die völlig in einem Buch versunken sind. Wir sehen sie draußen auf der Bank sitzen, im Sommer am See liegen oder auf einem Stein hocken. Leser im Café, an der Bushaltestelle, auch einfach zu Hause auf dem Sofa. Für das Lesen gibt es keinen vorgeschriebenen Ort. Überall kann man ein Buch zur Hand nehmen, heißt die Botschaft. Die Fotos hat Ohlbaum über Jahre hinweg in aller Welt zusammengetragen. Manche der Porträtierten sind prominente Autoren wie Donna Leon oder Anita Albus, die meisten aber sind unbekannte Gesichter. Keiner schaut in die Kamera, alle sind eins geworden mit ihrem Buch oder ihrer Zeitung.

Lesen kann zur Sucht werden. Das weiß auch die amerikanische Schriftstellerin Anne Fadiman. Ihr Essayband "Ex Libris - Die Bekenntnisse einer Bibliomanin" war in den USA ein riesiger Erfolg. Bücher markieren für die Amerikanerin Lebensabschnitte und erzählen viel über ihre Besitzer: "Der Investmentbanker Clark erlaubt seiner Frau erst bei Sonnenuntergang, die Jalousien zu öffnen, damit die Einbände der Bücher keinen Schaden nehmen", steht dort über einen bibliophilen Freund geschrieben. Die Autorin selbst geht übrigens ganz anders mit ihren Schätzen um: Da werden Lieblingsstellen fett angestrichen, und dicke Bände taugen schon mal als Spielzeug für die kleine Tochter.

Fadimans am Alltag orientierte Texte über Lesekultur wirken auf deutsche Leser, denen Literatur gerne als feierlicher Kanon präsentiert wird, frisch und entwaffnend. In einem der schönsten Aufsätze beschreibt die Autorin das schwierige Unterfangen, ihre eigene Bibliothek mit der ihres Ehemanns zusammenzulegen. Erst fünf Jahre nach der Hochzeit haben beide diesen Schritt gewagt. Manche ihrer Essays sind allerdings intellektuell allzu leichtgewichtig.

Der englische Erfolgsautor Nick Hornby erzählt in seinem Buch "Mein Leben als Leser", welche Mächte ihn wieder und wieder vom Lesen abhalten: Kinder, Kino oder der heiß geliebte Fußball. Der kleine Band, der seine Lesekolumnen aus der amerikanischen Literaturzeitschrift "The Believer" zusammenfasst, ist wohl vor allem interessant für seine Anhängerschaft, die sowieso jeden Hornby-Satz verschlingt. Denn wie so häufig wurden auch seine Kolumnen für den Tag oder den Monat geschrieben und gewinnen nicht unbedingt dadurch, dass man sie zwischen zwei Buchdeckel steckt.

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